Cholesterin – Heimlicher Killer oder überschätzter Mythos?

Wenn die Cholesterin-Werte zu hoch sind, besteht umgehender Handlungsbedarf. Doch was ist Cholesterin eigentlich? Wofür stehen die Werte HDL und LDL genau? Wie sollte man sich bei so einer Diagnose verhalten? Über neueste Erkenntnisse in diesem Themengebiet spricht in dieser Folge Prof. Dr. Laufs mit Mario D. Richardt. Hören Sie rein.

Experte: Prof. Dr. Ulrich Laufs, Kardiologe, Angiologe und Internist

Prof. Dr. Ulrich Laufs

Kardiologe, Angiologe und Internist

1988 begann der heutige Kardiologe sein Studium der Philosophie und Humanmedizin in Bochum. Lesen Sie den ganzen Lebenslauf von Prof. Dr. Ulrich Laufs.

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Transkript der Folge Cholesterin – Heimlicher Killer oder überschätzter Mythos?

Manche Menschen kennen das, und ich gehöre ehrlicherweise auch dazu: Man geht zum Arzt, der macht dann ein Blutbild und dann gibt es Stress.

Die Cholesterinwerte gehen durch die Decke, die Triglyceride sehen katastrophal aus und man sollte das dringend in den Griff bekommen. Aber was ist eigentlich Cholesterin genau? Was bedeutet das berühmte HDL und LDL?

Und was steckt hinter dem Mythos, dass man nicht zu viele Eier essen sollte? Darum geht es heute bei „kernig & gesund“.

„kernig & gesund“, der Gesundheits-Podcast präsentiert von apodiscounter.de

Mario D. Richardt: Einen schönen Tag zu einer brandneuen Folge „kernig & gesund“! Mein Name ist Mario D. Richardt und ich spreche jede Woche mit Experten über ein Gesundheitsthema, und heute ist es Cholesterin.

Und der Mann, der heute Licht ins Dunkel bringt, der ist Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Angiologie und Internistische Intensivmedizin.

Und außerdem ist er auch noch der Direktor der Klinik und Poliklinik für Kardiologie am Universitätsklinikum in Leipzig. Prof. Dr. Ulrich Laufs, schönen guten Tag!

Ulrich Laufs: Schönen guten Tag, ich grüße Sie!

Mario D. Richardt: Schön, dass Sie mit dabei sind. Und die Frage, die natürlich sofort auf meinen Nägeln brennt, ist: Wie viele Eier darf ich denn jeden Tag oder jede Woche essen?

Ulrich Laufs: Da gibt es Gott sei Dank keine Begrenzung. Die Eier sind rehabilitiert, insbesondere das Osterei ist schon lange rehabilitiert. Der Grund ist, dass die Menge an Cholesterin im Blut im Wesentlichen über die Leber reguliert wird und gar nicht so sehr über die Ernährung. Das schätzt man häufig falsch ein.

Was ist Cholesterin?

Mario D. Richardt: Es ist ja so, alle reden immer über Cholesterin. Deshalb war auch die Eierfrage so präsent, weil das ganz häufig auch in den Medien ist. Was ist denn eigentlich Cholesterin?

Ulrich Laufs: Cholesterin ist zunächst mal ein Naturstoff, der weder gut noch böse ist, aus der Familie der Fette, und für viele Körperprozesse ganz wichtig ist, zum Beispiel für den Aufbau unserer Zellmembranen oder auch für bestimmte Stoffe wie bestimmte Hormone.

Das Problem am Cholesterin besteht dann, wenn es sich an der falschen Stelle befindet. Und die falsche Stelle ist unser Blut.

Das Problem entsteht dadurch, dass zu viel Cholesterin im Blut dazu führt, dass es sich in die Gefäßwände einlagert und dann dazu führt, dass da die Verkalkungen entstehen. Und das wiederum ist die Ursache für unsere häufigsten Todesursachen, für Herzinfarkt und Schlaganfall.

Mario D. Richardt: Das Cholesterin bleibt also quasi an den Gefäßwänden einfach kleben im Laufe der Zeit oder wie muss man sich das vorstellen, so vom Zeitrahmen her?

Ulrich Laufs: Cholesterin und auch andere Fette können so per se im Blut, Blut ist chemisch so ähnlich wie Wasser, also eine wässrige Lösung, nicht schwimmen. Das ist so, wie wenn Sie ein Stück Butter in heißes Wasser geben, dann entstehen Fettaugen.

Und wenn Sie dann aber zum Beispiel ein bisschen Spülmittel dazu tropfen, entstehen kleine Partikel und Sie können sich zum Beispiel Butter von der Hand abwaschen mit Seife. So wird Cholesterin verpackt transportiert und es wird verpackt in Eiweiße. Und dadurch entstehen die sogenannten Lipoproteine. Und das ist das, was man dann beim Arzt auf dem Laborzettel auch sieht.

Da gibt es diese Abkürzungen, zum Beispiel LDL oder HDL. Und das sind chemische historische Abkürzungen, früher hat man das isoliert über Zentrifugation, also über Schleudern, und dann haben sich diese unterschiedlich verpackten Cholesterinformen in Banden abgelagert. Und da gibt es eine Bande mit niedriger und hoher Dichte und dann auf Englisch Low Density oder High Density Lipoprotein.

Das ist also Cholesterin-verpackt. Und jetzt wird es wieder einfach: Es gibt da nämlich eine Form, die bösartig ist, und das ist das LDL-Cholesterin dieses Low Density Lipoprotein. Diese Art der Verpackung führt dazu, dass sich Cholesterin in die Gefäßwand einlagert.

Und da ist es dann tatsächlich so, dass das alleine sowohl notwendig ist für die Entstehung von Verkalkung, das heißt, ohne dieses Cholesterin kann keine Plaque entstehen, und zweitens ist es ausreichend.

Also wenn nur das Cholesterin erhöht ist, da gibt es bestimmte genetische Erkrankungen, wo das schon im Kindesalter sehr hoch ist, das alleine reicht aus, damit solche Plaques entstehen können.

Was ist der Unterschied zwischen HDL und LDL?

Mario D. Richardt: Also HDL ist sozusagen das gute Cholesterin oder der gute Cholesterinwert und der sollte im Gegensatz zum LDL erhöht sein. Ist das ist richtig?

Ulrich Laufs: Ja, da haben wir im Prinzip ein bisschen in den letzten Jahren eine etwas veränderte Sichtweise. Also es ist richtig, dass diejenigen, die ein niedriges HDL im Blut haben, dass die ein Problem haben.

Das ist oft ein Anzeichen dafür, dass etwas im Körper nicht in Ordnung ist mit dem Stoffwechsel oder mit der Entzündung. Das kann zum Beispiel ein Diabetes mellitus sein in vielen Fällen, das können auch andere chronische entzündliche Erkrankungen sein. Was aber überholt ist, und das ist tatsächlich was, was manchmal auch noch nicht ganz optimal bei den Laborbefunden ist:

Früher hat man gesagt, dass es so einen HDL-LDL-Quotienten gibt und dass man quasi mit einem hohen HDL das LDL in einer gewissen Weise wettmachen könne. Das ist leider nicht der Fall, das ist nicht zutreffend. Dieser Quotient ist tatsächlich überholt.

Es geht also um das LDL-Cholesterin. Das ist auch die Zielgröße für Lebensstil und gegebenenfalls die Medikamente, die wir einsetzen können.

Mario D. Richardt: Das ist dann wirklich der wichtige Indikator?

Ulrich Laufs: So ist es. Und aus der Perspektive ist es sogar einfacher geworden. Also das LDL ist das Entscheidende, auch wenn das HDL hoch ist.

Das hat etwas damit zu tun, dass diese HDL-Partikel vielfältiger sind, die können unterschiedlich zusammengesetzt sein. Und was wir gelernt haben über die letzten Jahre, ist, dass es sogar schlechte Zusammensetzungen von HDL gibt.

Das heißt, es gibt sogar HDL-Partikel, die auch bösartig sein können, zum Beispiel bei Menschen, die Probleme haben mit ihrer Nierenfunktion oder zum Beispiel Diabetes mellitus haben.

Wozu benötigt der Körper Cholesterin?

Mario D. Richardt: Wozu braucht denn eigentlich der Körper Cholesterin? Wofür ist das gut?

Ulrich Laufs: Cholesterin ist zum Beispiel ein wichtiger Bestandteil unserer Zellmembranen. Also jede Zelle hat auch selber eine kleine Cholesterinfabrik, also jede Zelle ist in der Lage selber Cholesterin herzustellen und damit die normalen Funktionen vom Cholesterin sicherzustellen.

Und das ist wichtig, dass man das sich vor Augen führt, weil wenn wir mit Medikamenten den Cholesterinspiegel im Blut absenken, führt das nicht dazu, dass die normalen gesunden Funktionen vom Cholesterin in den einzelnen Zellen beeinträchtigt werden.

Mario D. Richardt: Merkt man denn, dass der Cholesterinspiegel zu hoch ist? Oder kann man es überhaupt bemerken, wenn man nicht unbedingt zum Arzt geht und ein Blutbild macht?

Ulrich Laufs: Nein, man merkt es nicht. Man könnte vielleicht sogar sagen, leider, weil umgekehrt fühlt man sich auch nicht besser, wenn das Cholesterin gesenkt wird. Und so ist es übrigens auch mit den anderen Risikofaktoren für die Gefäßverkalkung.

Also unsere Gefäße tun nicht weh, wenn wir eine Zigarette rauchen, sie tun uns auch nicht weh bei hohem Blutdruck oder hohem Blutzucker. Und da gibt’s eine Hypothese dazu, die aus der Evolution stammt. Es haben sich die Eigenschaften bei uns rausgemendelt, im wahrsten Sinne des Wortes, die für unsere Fortpflanzung wichtig waren.

Also das, was zu einer besseren Fortpflanzung geführt hat, hat über die Jahrmillionen dazu geführt, dass es sich als Eigenschaft durchgesetzt hat. Nun, Herzinfarkt und Schlaganfall ist ein Problem des höheren Lebensalters, also der sechsten, siebten, achten Lebensdekade.

Für unsere Fortpflanzung, aus der Evolution gesehen, war wichtig, was hat dazu geführt, dass wir gesund waren mit Geschlechtsreife, also mit 15 bis 20, und was hat dazu geführt, dass wir in der Lage waren, unsere Kinder wiederum zum Überleben zu bringen? Aus Sicht der Evolution sind wir nach, sagen wir mal, dem 30. Lebensjahr nur noch Esser auf diesem Planeten und für die Evolution überflüssig.

Das heißt, das, was dazu führt, einen Herzinfarkt mit 70 oder einen Schlaganfall mit 60 zu verhindern, hat keinen evolutionären Druck aufgebaut. Und vielleicht war es sogar so bei den Frauen zum Beispiel, man stellt sich vor, Hungersnot, Kinder müssen gestillt werden, vielleicht hatten sogar dann junge Frauen mit hohen Blutfetten sogar einen gewissen Vorteil an dieser Stelle.

Aber jetzt heutzutage hat sich das verschoben und jeder zweite von uns stirbt eben an den Folgeerkrankungen der Gefäßverkalkung, und damit hat das eine neue Bedeutung.

Mario D. Richardt: Auf welche Lebensmittel sollte man denn eher verzichten oder weniger davon essen?

Ulrich Laufs: Also in Bezug auf das Cholesterin und das LDL-Cholesterin muss man noch einmal festhalten: Es geht uns als Ärzte nicht darum, eine Zahl auf einem Zettel zu behandeln, sondern wir wollen Herzinfarkte und Schlaganfälle verhindern und dass es den Menschen gutgeht.

Deshalb ist Lebensstil, an erster Stelle körperliche Aktivität, und an zweiter, genauso wichtiger Stelle das Nichtrauchen die Basis jeder Therapie. Auch eine gesunde Ernährung hat einen hohen Wert. Das LDL-Cholesterin per se wird davon gar nicht so sehr beeinflusst, weil die Menge des LDL-Cholesterins im Blut über die Leber reguliert wird.

Da gibt es einen Rezeptor, das ist der LDL-Rezeptor, der steuert, wieviel LDL im Blut ist. Das Essen ist nicht ganz egal, es kommt auf den Ausgangszustand an. Also ich gebe Ihnen mal ein Beispiel: Wenn wir jemanden vor uns haben, der sich nur aus der Fritteuse ernährt und vor dem Bildschirm sitzt, und derjenige stellt seine Ernährung um und wird körperlich aktiv, dann wird auch das LDL runtergehen.

Wenn ich aber einen schlanken Menschen vor mir habe, der körperlich aktiv ist und die Farbe Grün auf seinem Teller kennt, mit einem hohen Cholesterin, dann ist er da nicht schuld dran, sondern das ist genetisch determiniert. Das ist ganz wesentlich aus der Familie, aus der Genetik stammend. Und manchmal muss man solche Personen sogar von der Vorstellung befreien, dass sie schuld daran wären.

Und bei dem wird eine Umstellung, selbst wenn der vegan leben würde, was man gar nicht empfehlen würde, würde das LDL-Cholesterin praktisch nicht runtergehen. Trotzdem ist aber natürlich ein gesunder Lebensstil auch für diese Person von Bedeutung. Nochmal: Es geht darum, die Endstrecke zu verhindern, nicht nur die Zahl auf dem Zettel zu behandeln.

Was sind die gesundheitlichen Konsequenzen bei einem hohen Cholesterinspiegel?

Mario D. Richardt: Was sind die gesundheitlichen Konsequenzen, wenn ich weiterlebe wie bisher und nichts mache?

Wenn ich weiß, ich habe einen zu hohen Cholesterinspiegel, aber ich mache nichts dagegen, heißt das zwangsläufig Schlaganfall, Herzinfarkt?

Ulrich Laufs: Das Risiko ist deutlich erhöht. Und man kann das immer als Risiko ausdrücken und man kann tatsächlich mit einem Risiko-Score das auch relativ präzise für eine Person berechnen.

Da gehen dann die anderen Risikofaktoren mit ein, also das Lebensalter, der Blutdruck, ob man Diabetiker ist, ob man raucht oder nicht, die Familien-Anamnese ist sehr wichtig, also gibt es andere genetische Faktoren. Und damit kann man das dann ausrechnen, bezogen, zum Beispiel kann der Arzt dann sagen, wenn ich 100 Personen hätte, die so sind wie Sie, also Sie 100-mal nebeneinander, und wir würden nichts machen, dann würden in den nächsten zehn Jahren von Ihnen zum Beispiel 40 Personen ein Herzinfarkt bekommen.

Und wenn wir jetzt das Cholesterin senken, dann können wir das um ein Drittel reduzieren. Dann können wir also von diesen 40 Herzinfarkten entsprechend zum Beispiel 13, 14 oder so verhindern.

Mario D. Richardt: Wenn ich bei Ihnen bin als Patient, wie schnell geht das dann mit diesem Senken?

Ich komme zu Ihnen, Sie sagen, ah, Herr Richardt, das gefällt mir überhaupt nicht, hier, Sie müssen mehr Sport machen.

Dann bewege ich mich, fahre Fahrrad, gehe vielleicht mal joggen oder so. Wie schnell hat man die Chance, diesen Cholesterinspiegel so zu senken, dass Sie als Arzt zufrieden sind und dass mein Körper sich auch freut?

Ulrich Laufs: Es hängt ein bisschen ab von der Höhe des Cholesterins und vom Ausgangszustand, auch vom Trainingszustand und vom Ernährungszustand des Patienten. Das habe ich versucht, vorher schon so ein bisschen an Beispielen drastisch darzustellen.

Wenn jetzt ein Patient noch relativ nah an seinem Zielwert ist, dann gehen wir so vor, dass wir mit Lebensstil-Maßnahmen und Bewegung und Ernährung den Patienten beraten, auch spezifisch beraten, und uns dann nach drei bis vier Monaten nochmal treffen, und schauen dann zusammen mit dem Patienten, wo wir gelandet sind.

Und dann kann man entscheiden, ob es die Notwendigkeit gibt, das jetzt mit einem Medikament zu ergänzen, oder ob man so dann ausreichend hinkommt.

Mario D. Richardt: Aber das ist schon relativ schnell und zur Hoffnung anlassgebend.

Mario D. Richardt: Bei mir ist Prof. Laufs und wir sprechen über Cholesterin, und jetzt auch über Triglyceride. Sind die denn ebenso wichtig wie Cholesterin?

Ulrich Laufs: Ja, die Triglyceride sind auch ein Risikofaktor für die Gefäßverkalkung. Sie sind auch ein Risikofaktor für Entzündungen der Bauchspeicheldrüse bei denjenigen, wo die sehr stark erhöht sind.

Das sind Gott sei Dank nicht so viele Menschen. Im Unterschied zum LDL-Cholesterin, über das wir gerade gesprochen haben, sind die Triglyceride deutlich abhängiger vom Lebensstil. Sie werden also wesentlich über die Ernährung reguliert. Sie sprechen insbesondere auf die sogenannten schlechten Kohlenhydrate an. Wenn man also genetisch aus der Familie kommt, die Veranlagung dazu hat, hohe Triglyceride im Blut zu haben und auch schnelle Triglycerid-Anstiege, dann reagiert man sehr sensibel zum Beispiel auf Alkohol.

Das ist ein ganz häufiger Punkt, also häufige Konstellation ist, dass auffällt beim Arzt, sehr, sehr hohe Triglyceride. Und das ist dann vielleicht getriggert gewesen durch einen Grillabend, wo man viel gegessen hat und auch viel getrunken hat.

Umgekehrt ist es da so, dass man gemeinsam auch Erfolge feiern kann, weil Ernährungsberatung, körperliche Aktivität dazu führen kann, dass man an der Stelle nicht mit den klassischen Medikamenten, sondern eben durch Lebensstil viel erreichen kann, was die hohen Triglyceride angeht.

Welche Funktion haben Triglyceride im Körper?

Mario D. Richardt: Welche Funktion haben denn eigentlich die Triglyceride im Körper?

Ulrich Laufs: Das sind auch Transportformen für Fettsäuren.

Mario D. Richardt: Was ist denn eigentlich eine Hyper-Triglyceridemie?

Ulrich Laufs: Naja, das ist einfach jetzt dieses medizinische Wort, „hyper“ heißt immer viel, viel Triglyceride, „emie“ ist Blut, also viele Triglyceride im Blut, Hohe Triglycerid-Spiegel.

Mario D. Richardt: Und das kann auch gefährlich werden?

Ulrich Laufs: Über die Zeit, es gibt eben diese zwei Hauptprobleme, schon eine moderate Erhöhung erhöht das Risiko für Gefäßverkalkung über die Zeit und die sehr hohen Triglyceride erhöhen das Risiko für die sehr gefährliche BauchspeicheldrüsenEntzündung, dann wird das Blut tatsächlich auch in so einer Flüssigkeitseigenschaft, in seiner Viskosität beeinträchtigt.

Das ist Gott sei Dank selten.

Mario D. Richardt: Hat das auch einen Einfluss, jetzt werden Sie wahrscheinlich sagen, nein, Herr Richardt, das hat gar nichts damit zu tun, ob man Margarine oder Butter isst? Hat das einen Einfluss auf den Triglycerid-Spiegel?

Ulrich Laufs: Nur sehr, sehr gering. Es gab eine große Diskussion über die sogenannten Functional Foods, also Nahrungsmittel mit Heilsversprechen. Und da gibt es speziell Sterol-supplementierte Margarinen, die auch beworben werden.

Diese Sterole, das sind quasi die Cholesterine der Pflanzen, die im Körper, im Säugetierkörper nicht hergestellt werden können. Und da gibt es einen aktiven Transport im Darm und sozusagen einen Wettbewerb mit dem Cholesterin. Und normalerweise schmeißt unser Körper diese Sterole wieder raus über einen Transporter.

Wenn man sie zuführt, dann kann man damit den Cholesterinspiegel etwas senken. Es ist aber nicht klar, ob das tatsächlich gesundheitsfördernd ist. Und es ist nicht bewiesen. Also lange Geschichte, auch hier kurz gemacht.

Es ist leider nicht so, dass wir an der Stelle wesentlich etwas beeinflussen können, solange natürlich die Kalorienzahl gleich ist. Das ist natürlich das Entscheidende.

Senkt Margarine den Cholesterinspiegel?

Mario D. Richardt: Da muss ich zugeben, Prof. Laufs, ich bin da wirklich wieder in die Werbefalle getappt und ich esse genau diese Margarine, wo eben draufsteht „senkt aktiv den Cholesterinspiegel“.

Aber im Prinzip ist das Quatsch, oder?

Ulrich Laufs: Also einmal muss man sehen, wenn man jetzt, gerade für Personen, die jetzt erhöhte Werte haben, wenn man das in einer relevanten, messbaren Art und Weise machen muss, dann muss man extrem viel davon essen.

Wir haben das im Selbstversuch mal gemacht, habe ich selber mal ein Kilo so einer Margarine pro Monat, das ist gar nicht so einfach, man muss also ununterbrochen Margarine essen. Ich sag Ihnen, da waren wir froh, als das rum war. Und dann senkt man seinen Cholesterinspiegel vielleicht so um 10 %, was also ganz minimal ist, was schon fast innerhalb der Schwankungsbreite liegt.

Und nochmal: Das Entscheidende ist, dass der Mechanismus, über den das erreicht wird, bisher nicht gezeigt hat, dass das tatsächlich zu etwas Positivem führt.

Also wir haben das bei Mäusen ausprobiert und da war es tatsächlich so, dass die eben nicht bezogen auf den Cholesterinspiegel dadurch einen Vorteil hatten in Bezug auf ihre Gefäßverkalkung.

Was ist das Lipoprotein a?

Mario D. Richardt: Dann kommen wir jetzt noch mal zu einem Thema, das ich vorher noch gar nicht kannte, aber das offenbar immens wichtig ist für den Körper, und zwar das sogenannte Lipoprotein a. Was ist das?

Ulrich Laufs: Das ist noch mal eine besondere Verpackungsform von Cholesterin. Wir haben ja vorher darüber gesprochen, dass Cholesterin so nicht schwimmen kann im Blut oder in wässrigen Lösungen und dass es verpackt wird mit Eiweißen.

Und bei diesem Lipoprotein a haben wir einen Eiweiß-Cholesterin-Partikel, der so ähnlich ist wie das LDL-Cholesterin, also diese bösartige Verpackung, und zusätzlich noch ein Anhängsel hat, das ist dieses Apo(a), was Ähnlichkeiten hat von seiner Struktur mit Eiweißen, die für unsere Blutgerinnung eine Rolle spielen.

Und wir wissen über diesen Partikel, dass er vergesellschaftet ist mit einem erhöhten Risiko für Verkalkung der Gefäße, Verkalkung der Herzklappen und auch für Blutgerinnsel. Diese Neigung, diesen Partikel im Blut zu haben, ist erblich. Wenn man Träger ist dieser Eigenschaft, dann vererbt man diese Neigung, zu hohes Lipoprotein a zu haben mit 50 prozentiger Wahrscheinlichkeit weiter.

Also die Hälfte der Kinder wird dann das auch haben. Und die Höhe dieses Lipoprotein a im Blut ist durch Lebensstil nicht zu beeinflussen. Also durch Ernährung, durch Sport, durch solche Dinge können wir das Lipoprotein a nicht absenken.

Wir wissen, dass insbesondere bei Familien, die viele arteriosklerotische Probleme haben, also zum Beispiel Familien, wo es Herzinfarkte gab im frühen Lebensalter oder Angehörige, wenn wir einen Patienten haben bei uns in der Klinik, zum Beispiel 40, 50 Jahre alt, mit einem Herzinfarkt, also ein junges Alter für einen Herzinfarkt, dann hat der häufig ein hohes Lipoprotein a.

Und dann ist das eine Chance auch die Angehörigen da zu untersuchen, mit der Konsequenz, dass man da dann rechtzeitig eingreifen würde.

Mario D. Richardt: Heißt das, man sollte einmal im Leben diesen Wert bestimmen lassen?

Ulrich Laufs: Ja, tatsächlich! Das ist die ganz moderne Sicht, dass man dieses Lipoprotein a einmal im Leben bestimmt, aber auch einmal, weil wir es eben im Moment mit den Lebensstilfaktoren und den im Moment zur Verfügung stehenden Tabletten nicht beeinflussen können.

Das könnte sich über die nächsten Jahre ändern, das ist ein ganz spannendes Forschungsthema.

Es gibt jetzt neue Substanzen, sogenannte RNA-Medikamente, die selektiv dieses Lipoprotein a senken können. Die sind aber noch nicht in der Apotheke verfügbar, sondern werden im Moment, so wie es sich auch gehört, sorgfältig erstmal untersucht.

Mario D. Richardt: Bei wem kann ich das bestimmen lassen? Gehe ich da ganz normal zum Hausarzt oder brauche ich da schon einen Spezialisten?

Ulrich Laufs: Nein, das kann jeder Hausarzt bestimmen. Die Therapie-Konsequenz, also was macht man, wenn es erhöht ist? Erstens, wir können es eben im Moment derzeit selbst noch nicht senken durch Tabletten und Lebensstil.

Deshalb bedeutet das, man muss alles andere optimal machen, was diese Gefäßverkalkung verursacht. Da steht wieder an erster Stelle das, was man selber machen kann, das Nichtrauchen ist Nummer eins, das ist wirklich das Wichtigste, Blutdruck kontrollieren, gesund leben. Und dann das Cholesterin senken. Davon geht zwar das Lipoprotein a selbst nicht runter, aber das lipidbezogene Risiko geht runter.

Und deshalb ist das auch die Empfehlung, die die Leitlinien geben, also eine optimale Cholesterinsenkung bei denjenigen, die ein hohes Lipoprotein a haben. In der Zukunft könnte sich das ändern, aber da müssen wir noch ein paar Jahre warten.

Mario D. Richardt: Ich danke Ihnen vielmals, Prof. Laufs!