Medizinisches Cannabis – Rausch auf Rezept?

Per Rezept dürfen Ärzte Cannabisextrakt und -blüten für ihre Patienten verordnen. Was die Abkürzungen THC und CBD bedeuten, wie Cannabis wirkt und wann es zum Einsatz kommen darf, wird in dieser Folge „kernig-und-gesund“ behandelt. Hören Sie rein.

Tobias Kühne Döge

Tobias Kühne-Döge

Pharmazeutisch-technischer Assistent

Tobias Kühne-Döge ist seit 2001 in seinem Beruf tätig und hat seither für verschiedenste Apotheken gearbeitet. Welche das sind und wie sein Werdegang im Einzelnen aussieht, lest ihr auf unserem Expertenprofil.

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Transkript der Folge Medizinisches Cannabis – Rausch auf Rezept?

Seit dem 1. März 2017 dürfen Ärzte Cannabisblüten und Extrakt verordnen, und zwar über ein Betäubungsmittelrezept. Das steht so umgesetzt. Doch kann jetzt jeder zum Arzt gehen und sich Drogen auf Rezept aus der Apotheke holen? Ganz so einfach ist es natürlich nicht. Wir klären das heute bei „kernig & gesund“.

„kernig & gesund“, der Gesundheits-Podcast präsentiert von apodiscounter.de

Mario D. Richardt: Einen schönen guten Tag zu einer brandneuen Ausgabe „kernig & gesund“ an diesem wunderschönen Mittwoch! Mein Name ist Mario D. Richardt und ich bespreche jede Woche mit Experten ein Gesundheitsthema.

Heute ist es medizinisches Cannabis und wir sprechen auch über CBD und THC. Beides kommt in einer Cannabispflanze vor. Mein heutiger Gesprächspartner ist Stammgast bei „kernig & gesund“, er ist pharmazeutisch-technischer Assistent und Kaufmann im Gesundheitswesen.

Guten Tag, Tobias Kühne-Döge!

Tobias Kühne-Döge: Hallo, Mario! Grüße!

Mario D. Richardt: Und Tobias, bevor wir uns so richtig ins Zeug legen, noch ein ganz kleiner, dezenter Hinweis. Denn diese Folge „kernig & gesund“ kann Spuren von Werbung enthalten.

So, Tobias, ich hätte mir ehrlich gesagt nie träumen lassen, dass ich in meinem Podcast mal über Drogen spreche. Das ist was, womit ich in meinem Leben noch nie zu tun hatte. Ich habe noch nicht mal eine Zigarette geraucht, so brav bin ich. Aber du hast gesagt, das ist ein spannendes Thema, lass uns das mal machen. Hast du denn schon Erfahrungen mit Cannabis gemacht?

Tobias Kühne-Döge: Ich selber noch nicht, aber zumindest weiß ich, wie es funktioniert mit der Abgabe und auch mit der Rezeptierung von Ärzten. Dazu kann ich auf jeden Fall was sagen.

Mario D. Richardt: Und deswegen sitzen wir heute hier, weil du dich eben auskennst.

Tobias Kühne-Döge: Richtig!

Was ist Cannabis?

Tobias Kühne-Döge: Cannabis, also wir alle kennen die Cannabispflanze oder die Hanfpflanze. Und aus dieser Pflanze nutzt man dann entsprechend Inhaltsstoffe beziehungsweise wird da was extrahiert. Und in der Form, wie es jetzt auch verschrieben wird, nutzt man tatsächlich die Blüten, das heißt, die Cannabisblüten der weiblichen Pflanze.

Es gibt auch noch diesen normalen Industriehanf, wie man ihn auch auf Feldern sieht, wo man sagt, Mensch, hier ist ja Hanf. Der ist dann aber wirklich rein zur Lebensmittelgewinnung oder auch für die Kleiderherstellung in Form von Hanffasern.

Das müssen wir aber deutlich abgrenzen. Die Anbauer oder die Hersteller von Cannabisblüten oder generell, die das anbauen, das sind wirklich kleine Hochsicherheitstrakte, wo wirklich alles ganz genau überwacht wird mit Riesenanlagen, dass da wirklich nichts wegkommt.

Weil es handelt sich bei dem medizinischen Cannabis tatsächlich um ein Betäubungsmittel, was auch so im Gesetz verankert ist. Deswegen ist es nicht so einfach an diese Präparate ranzukommen. Und das macht auch Sinn.

Mario D. Richardt: Welche Wirkstoffe sind denn enthalten in der Cannabispflanze oder Hanfpflanze?

Tobias Kühne-Döge: Bei diesem medizinischen Cannabis, man spricht immer von diesem THC, also diesem Tetrahydrocannabinol, und man spricht von dem CBD, das Cannabidiol. Das heißt, beide Substanzen sind enthalten auch in unterschiedlichen Konzentrationen. Das erklärt natürlich auch, dass es so viele verschiedene Pflanzen mittlerweile gibt, so ungefähr 80 gibt’s in Deutschland mittlerweile mit ganz unterschiedlichen Gehältern der einzelnen Stoffe.

Und diese Inhaltsstoffe, also sowohl das THC wie auch das CBD, die entfalten dann entsprechend ihrer Konzentrationen auch den Mengen oder Mischverhältnis in der Pflanze selber oder in der Blüte die entsprechende Wirkung.

Das heißt, das THC ist eher so eine beruhigende sedierende Wirkung, hat aber teilweise auch antriebssteigernde Wirkung. Das heißt, so aktivierend, deswegen wird das auch ab und an bei Hyperaktivität, wo man eigentlich denkt, Mensch, ja, weil das auch beruhigend wirken kann.

Das heißt, auch bei ADHS beispielsweise, wenn andere Medikamente vielleicht nicht wirken und der Arzt entscheidet, hey, das wäre was, wäre zumindest ein Indikationsgebiet. Außerdem ist das THC natürlich auch schmerzlindernd und natürlich auch appetitanregend. Das heißt, auch in bestimmten Behandlungen, beispielsweise auch in der Krebstherapie wird es oft eingesetzt, wenn die Patienten kaum was drin behalten können oder auch gar keinen Appetit mehr haben, um da einfach anzuregen.

Wie gesagt, das ist alles im Kommen, es wird glücklicherweise immer mehr. Aber bisher war das einfach absolutes Neuland, wenn man da einen Arzt fragt, Mensch, kannst du mir nicht mal medizinisches Cannabis verordnen. Mittlerweile kennen die es Gott sei Dank.

Mario D. Richardt: CBD, was ist da die Wirkung?

Tobias Kühne-Döge: CBD ist eher die Wirkung so entzündungshemmend, das heißt, auch so ein bisschen den Körper regulierend, was so bestimmte Entzündungen und auch natürlich Schmerzen einhergehend, aber es ist keine psychoaktive Substanz.

Das heißt, es kommt jetzt keine Euphorie oder irgendwie, dass man denkt, Mensch, alles ist besser oder wie manche beschreiben. Das ist bei dem CBD nicht. Deswegen gibt es auch zum Teil CBD-Öle in bestimmen Konzentrationen, die man auch frei kaufen kann.

Das erklärt zwar einfach keine psychoaktive Substanz, die irgendwie da Auslöser ist für irgendwelche besonderen Ereigniszustände. Das hat das CBD selber nicht.

Bei welchen Krankheiten kann Cannabis helfen?

Mario D. Richardt: Bei welchen Krankheiten kommt denn Cannabis als Medizin überhaupt in Frage?

Tobias Kühne-Döge: Das muss man wirklich ganz klar sagen, letztendlich entscheidet immer ein Arzt, ob das Medizin-Cannabis oder das medizinische Cannabis jetzt für den oder diejenigen geeignet ist.

Das heißt, es gibt aber ganz verschiedene Krankheitssymptome, unter anderem genannt ADHS. Das heißt, das Aufmerksamkeitsdefizitüberaktivitätszentrum kann zum Einsatz kommen.

Es können bestimmte Schmerzzustände sein, wie beispielsweise Halswirbelsäule, Lendenwirbelsäule. Das heißt, chronische Schmerzen, die mit anderen Präparaten nur noch schwer zu behandeln sind. Auch dafür kann ein medizinisches Cannabis ein Einsatzgebiet sein.

Mario D. Richardt: Wobei man natürlich auch sagen muss, du sprachst jetzt von ADHS, also für Kinder ist es natürlich nicht geeignet. Das soll man ganz klar auch abwägen, was sind die Vorteile, was sind die Nachteile.

Tobias Kühne-Döge: Es geht da wirklich eher um ADHS im Erwachsenenalter. Das heißt, bei Kindern, die behandelt man ganz, ganz anders. Das heißt, hier gibt’s andere Medikamente. Es ist auch wirklich immer nicht das Mittel der ersten Wahl, sondern man muss immer schauen, ist der Patient austherapiert, wirken andere Präparate nicht.

Und das ist auch oft die Odyssee, die viele Patienten durchmachen, eh die dann mal zum geeigneten Präparat kommen. Mittlerweile ist das auch noch nicht so etabliert, deswegen ist viel, was medizinisches Cannabis auf BTM-Rezept verordnet, ist häufig noch Selbstzahler-Leistung.

Das heißt, der Patient oder die Patientin müssen das aus eigener Tasche finanzieren. Was natürlich auch für viele Patienten eine finanzielle Belastung ist. Aber wie gesagt, die Krankheitsbilder, um da nochmal einzugehen, können natürlich auch bestimmte Tic-Störungen sein.

Das heißt, wo einfach im Hirn irgendwelche Reizstoffe sind, die einfach bestimmte Tics, man kennt das manchmal, wenn die Leute dann so komisch ticken und irgendwelche Sprüche machen oder irgendwie so ganz den Mund verkneifen oder irgendwie sich wirklich die Zähne aufeinanderpressen oder teilweise sogar ausknirschen, das kann ein Einsatzgebiet sein.

Mario D. Richardt: Und auch Tourette.

Tobias Kühne-Döge: Tourette, genau, Tourette. Ich wollte sagen, Tourette, genau, mir fiel es nicht ein. Danke, Mario! Das ist eine typische Erkrankung, wo das wirklich gut helfen kann, wo man auch mit Tropfen teilweise therapiert, also wo Extrakte dann gegeben werden und die Patienten innerhalb von wenigen Minuten, kann man sagen, wirklich schon eine deutliche Besserung erzielen.

Aber ansonsten können es wirklich alle Arten von Depression, Angststörung, das heißt, alles, wo einfach auch so eine beruhigende sedierende Wirkung im Vordergrund steht für die Therapie, dass der Patient einfach auch wieder ein besseres Gefühl und auch eine bessere Lebensqualität erfährt. Das kann unter anderem auch Cannabis sein.

Das ist auch denkbar bei Multiple Sklerose beispielsweise, also neurologische Erkrankungen. Weil gerade bei MS beispielsweise sind auch noch viele Begleiterkrankungen, ob das jetzt irgendwelche Störungen mit der Blasenentleerung sind oder generell mit der Körperentleerung, dass da Probleme sind. Da kann Cannabis wirklich auch einen positiven Einfluss geben.

Wie gesagt, das entscheiden dann aber wirklich die behandelnden Neurologen, ob das jetzt ein Mittel ist oder nicht. Aber gerade so neurologische Erkrankung ist natürlich ein weites Spektrum, wo es zum Einsatz kommen kann.

Mario D. Richardt: Aber auch Morbus Crohn ist ein Thema, Arthritis, da soll das auch ganz gut wirken.

Tobias Kühne-Döge: Weil es einfach auch diese Schmerzmediatoren ausschaltet. Das heißt, dass man dort einfach guckt. Und der Vorteil ist, das muss man ganz klar sagen, deswegen ist es auch so im Kommen, dass es einfach nicht dieses Überdosierungsschema birgt wie jetzt zum Beispiel bei Medikamenten. Es gibt auch Opiate in oraler Form, das heißt in Tabletten oder Pflastern, die ganz normal auch verordnet werden schon seit Jahren eh und je.

Und die haben natürlich auch extreme Auswirkungen in Form von Nebenwirkungen oder unerwünschten Begleiterscheinungen, ob das jetzt Verstopfungen sind oder irgendwelche Magen-Darm-Erkrankungen dadurch. Und das hat alles das Mediziner-Cannabis nicht in der Form. Das heißt, auch die Wahrscheinlichkeit, dass man sich mit medizinischem Cannabis überdosiert, die ist sehr, sehr hoch die Grenze, dass das passiert.

Das kann mit Opiaten, die man als Tabletten bekommt beispielsweise, kann das noch schneller mal passieren, wo es dann vielleicht dann zu einer Atemdepression führt, das heißt, wo der Patient verstirbt, weil die Atmung aussetzt. Das ist bei medizinischem Cannabis einfach nicht der Fall oder zumindest nicht so schnell zu erreichen.

Mario D. Richardt: Grundsätzlich muss man sagen, es wirkt überall da, wo es schmerzlindernd hilft oder die Symptome lindert, aber es heilt nicht.

Tobias Kühne-Döge: Also Heilen ist vielleicht ein weitgefächerter Begriff. Das heißt, das hilft auf alle Fälle, die Beschwerden zu lindern. Und das ist auch das Ziel der Therapie, dass man Beschwerden oder Leiden lindert.

Und deswegen wählt mir auch der Arzt entsprechend, deswegen ist das auch ein bisschen immer schwieriger mit der Rezeptierung, das heißt, gerade wenn jetzt medizinisches Cannabis verordnet wird, der Arzt macht natürlich erst mal eine ausgiebige Anamnese.

Das heißt, er guckt: Wie ist der Werdegang, was wurde bisher schon genommen, was gibt es als Begleiterkrankung? Dann wird einfach geschaut, welches wäre denn für dich das geeignete? Das heißt, die geeignete Blüte, das heißt auch die geeignete Mischung zwischen dem Verhältnis von THC und CBD.

Manch einer braucht mehr CBD, der andere braucht mehr THC, je nachdem auch, was die Beschwerden sind. Und dadurch kann man es einfach relativ ein Stück weit lenken, in welche Richtung dann auch die Linderung oder auch die Wirkung geht, so will ich es mal ausdrücken. Und das ist ganz, ganz unterschiedlich.

Das heißt, der eine profitiert von der Blüte bei dem und dem Beschwerdebild, der andere wiederum, für den wäre es konträr, der würde davon gar nicht profitieren, im Gegenteil, es würde schlimmer werden. Der wiederum braucht ganz andere. Deswegen ist auch gerade die Anfangsphase für den Patienten auch noch mal ein bisschen schwierig, weil er meistens auch mehrere verschiedene Sorten verordnet bekommt und einfach erstmal für sich schauen muss, auf welches spreche ich denn persönlich gut an?

Und viele denken immer, ja, jeder will da einen hohen THC-Gehalt, weil er psychoaktiv ist, so ist es nicht immer der Fall. Sondern es gibt auch viele, die einfach auch diesen hohen CBD-Gehalt mit einer kleinen Nuance THC einfach auch für sich positiv werten, weil die wirklich einfach, da geht’s wirklich nur um Beschwerde, Verbesserung der Lebensqualität.

Und ich möchte mich gar nicht in so eine Lage versetzen von jemandem, der einfach davon betroffen ist und wie mühsam das dann sicherlich auch ist, wenn man dann nach so einem Halm greift und muss es dann vielleicht auch noch selber bezahlen. Aber es hilft ihm ja, also es ist so ein bisschen noch so ein Konflikt, der sich da in sich birgt.

Aber ich hoffe, das wird auf jeden Fall das Gesundheitswesen aufgleisen.

Mario D. Richardt: Seit 2017 dürfen es Ärzte verschreiben. Ist schon davon auszugehen, dass das sozusagen immer mehr wird?

Tobias Kühne-Döge: Es wird definitiv immer mehr. Also auch bei uns, wir selber haben auch eine separate Abteilung, die nennt sich gruener-punkt.de. Die hat sich auch spezialisiert direkt auf das medizinische Cannabis als Vollversorger.

Das heißt, da werden auch Extrakte angeboten. Und das ist nur einer von vielen Anbietern, die sich mittlerweile in den letzten Jahren etabliert haben, die sich wirklich auch darauf spezialisiert haben, entweder als eigene Abteilung oder wie auch immer, und kümmern sich dann tatsächlich nur um die Versorgung von diesen Patienten und Patientinnen, die nur mit diesem medizinischen Cannabis versorgt werden.

Hat einfach den Vorteil, das sind die absoluten Experten auf dem Gebiet, die kennen alle Varianten, alle Variationen, die haben einen sofortigen Draht zu den Ärzten, die wissen die Indikation, sprich, die Krankheitsbilder. Die haben auch die Erfahrungswerte, was den ganzen Bezug angeht. Weil wie gesagt, bei bestimmten Blüten, die einfach ein besonderes Mischverhältnis haben, die werden natürlich stark nachgefragt.

Da muss natürlich auch der Einkauf im Hintergrund entsprechend reagieren, dass auch die Patienten versorgt werden können, dass kein Engpass entsteht. Und das machen dann wirklich die Experten, also auch die Apotheken vor Ort ganz normal liefern natürlich auch medizinisches Cannabis aus.

Aber das ist eher noch so eine homöopathische Dosis, die wirklich viele Patienten sehen mit diesen Beschwerdebildern, das sind meistens dann schon wirklich Spezialisten auf dem Gebiet.

Darf jeder Arzt Cannabis verschreiben?

Mario D. Richardt: Kann jeder Arzt das verschreiben?

Tobias Kühne-Döge: Es kann jeder Arzt in seiner Fachexpertise oder in seinem Fachgebiet verschreiben. Das heißt, da gibt’s auch bestimmte Höchstmengen, die verordnet werden dürfen, so wie es auch generell bei Betäubungsmittel ist.

Das heißt, ein Zahnarzt darf andere oder nicht verschreiben oder andere Mengen verschreiben wie zum Beispiel ein Neurologe oder ein Schmerzmediziner, also Palliativmediziner beispielsweise.

Das ist genau festgeschrieben, wer was wie verordnen darf, in welchen Mengen, in welchen Abständen, und wie er bestimmte Abgrenzungen oder Ausnahmen einfach kenntlich machen muss auf dem BTM-Rezept. BTM-Rezept, viele haben es bestimmt noch nicht gesehen, das ist ein besonderes gelbes Rezept.

Mario D. Richardt: BTM, Betäubungsmittel.

Tobias Kühne-Döge: Richtig, genau! Betäubungsmittel, ist die Abkürzung dafür. Das ist ein gelbes Rezept. Sieht aus wie ein Kassenrezept, ist aber wirklich knallgelb.

Hat auch mehrere Durchschläge, das heißt, nicht bloß ein einzelnes, sondern so Durchschläge drauf. Das hat einfach mit der Dokumentation zu tun von diesen Betäubungsmitteln. Hat auch nur sieben Tage Gültigkeit. Das heißt, nach Ausstelldatum nur sieben Tage gültig, dann ist es verfallen. Hat einfach den Grund, dass das wirklich Medikamente sind, die auch in der Regel schnell gebraucht werden, dass man das auch nicht irgendwo rumliegen lässt, sondern man soll das schnell einlösen.

Das heißt, der Arzt dokumentiert die Abgabe an den Patienten, die Apotheke dokumentiert die Abgabe an den Patienten und meldet das dann der entsprechenden Stelle, wo das alles registriert zusammenläuft. Deswegen ist das eine besondere Rezeptierung, vor der vielleicht viele Ärzte noch ein bisschen Respekt haben.

Mario D. Richardt: Welche Darreichungsformen gibt es denn? Du hast schon gesagt, es gibt auch so Öle wahrscheinlich, es gibt Tabletten.

Tobias Kühne-Döge: Richtig! Von den klassischen Opiaten gibt es alle möglichen Darreichungsformen, also das klassische Opiate. Das heißt, da gibt’s Tabletten, Kapseln, Säfte, Tropfen, es gibt Pflaster. Das sind so diese gängigen. Und bei dem medizinischen Cannabis ist es so, da werden hauptsächlich Blüten verordnet oder auch aus den Blüten dann entsprechend Extrakte hergestellt.

Das heißt, wo man wirklich dann ein Extrakt herstellt, der genommen werden kann. Man kann in einer Kapsel einfach dann anbieten. Oder der Patient hat da direkt so einen Vaporisator, das heißt, wenn da einfach die Cannabisblüten verdampft werden und er inhaliert dann einfach diesen Dampf. Also die wenigsten machen das so, wie man es vielleicht kennt, dass da irgendwas gedreht wird.

Sowas machen die wenigsten.

Mario D. Richardt: Ja. Also Joints gibt’s dann nicht in der Apotheke?

Tobias Kühne-Döge: Nein! Wie gesagt, man muss immer ganz klar definieren, man weiß bei jeder Blüte genau, wie die zusammengesetzt ist. Das heißt, die werden da auch alle komplett geprüft. Das heißt, die Gehälter werden bestimmt, es wird genau bestimmt, ist das denn die Blüte mit den Gehältern. Als es ist ein immenser Aufwand auch labortechnisch, der da hintendran steht.

Aber nur das stellt einfach auch sicher, dass der Patient genau das bekommt, was der Arzt wünscht, das der Patient bekommt. Deswegen ist das auch so schwierig oder noch nicht so viel in Apotheken, die sich damit einfach auseinandersetzen, weil da auch der Aufwand im Hintergrund immens hoch ist.

Aber ich denke, die Patienten wissen das auf jeden Fall auch zu schätzen, dass die genau auch wirklich das bekommen, was sie brauchen.

Kann man von medizinischem Cannabis abhängig werden?

Mario D. Richardt: Ich habe natürlich trotzdem im Hinterkopf, Cannabis ist eine Droge oder Hanf gehört zu den Drogen oder man kann daraus Drogen herstellen. Kann man denn davon auch abhängig werden von dem, was es denn in der Apotheke gibt?

Tobias Kühne-Döge: Die Abhängigkeit, das ist wieder ein Riesenvorteil, wir hatten es vorhin vergessen, als wir den Vorteil noch mal besprochen haben, die Abhängigkeit von dem medizinischen Cannabis, was wirklich auch vom Arzt verordnet ist, zur Wahrscheinlichkeit, dass jemand von Tabletten oder Tropfen, die er vom Arzt verordnet bekommt, dass er abhängig wird, die ist deutlich geringer.

Weil diese auch körperliche Abhängigkeit, die sich bei vielen ergibt, resultiert meistens aus diesen Tabletten, weil die noch mal ein ganz anderes Wirkspektrum haben wie der natürliche Rohstoff medizinisches Cannabis. Ist ja im Endeffekt eine Pflanze, die wir dafür nutzen. Und das ist noch mal ein Riesenvorteil, wo einfach auch die Ärzte genau wissen, die Abhängigkeit ist hier in der Form nicht gegeben.

Klar, will jeder Patient einen positiven Effekt, den er damit erfährt, auch immer wieder haben. Das ist ganz klar. Aber man weiß einfach auch, dass eine Dosiserhöhung deutlich langfristiger angesiedelt ist wie vielleicht bei Tabletten, wo, erstmal kommt man mit einer klar, dann müssen es schon zwei sein, dann drei.

Und hier muss man auch mit der Menge definieren, deswegen hat man aber auch den Vorteil, dass man ganz verschiedene Typen an Pflanzen auch zur Verfügung hat und einfach auch individuell auf die Bedürfnisse, die sich auch im Laufe des Lebens ändern können, einfach adäquat eingehen kann.

Mario D. Richardt: Und da gibt’s auch einen ganz normalen Beipackzettel?

Tobias Kühne-Döge: Ein Beipackzettel in dem Sinne gibt’s einfach nicht. Deswegen ist es auch einfach wichtig, dass die Patienten ordnungsgemäß aufgeklärt werden. Das heißt, die Patienten wissen im Vorfeld genau, was sie bekommen, wie müssen sie es machen. Es steht auch auf jedem Rezept noch mal genau drauf, wieviel der Patient am Tag nehmen soll.

Also wirklich so und so oft am Tag, so und so viel Gramm oder so und so viel Tropfen, das steht wirklich exakt drauf. Das ist auch das, wo die Apotheke extrem drauf guckt. Weil, wie gesagt, einfach mal ein Rezept auszustellen mit einer Pflanze und sagen, probiere mal, wie du damit zurechtkommst, das macht natürlich kein Arzt.

Sondern es wird genau festgelegt, individuell auf die Bedürfnisse, was dem Patienten erfahrungsgemäß dann guttut oder was er bitte unterlassen soll.

Mario D. Richardt: Bei manchen Medikamenten steht drauf auf dem Beipackzettel „Achtung, Sie dürfen nicht im Straßenverkehr teilnehmen oder am Straßenverkehr teilnehmen.“. Wie ist das denn jetzt bei diesen Produkten?

Tobias Kühne-Döge: Hier ist es auch so, bei diesen Produkten ist es natürlich so auch, die würden natürlich beim Drogentest durch die Polizei positiv anschlagen. Das heißt, hier ist es aber einfach in der Nachweispflicht, woher stammt denn das Opiat oder auch diese Droge, die man da konsumiert hat. In dem Fall ist es eine ärztliche Verordnung.

Und da muss man einfach auch schauen, es gibt trotz dessen, dass man Medizinal-Cannabis bekommt oder verabreicht nehmen muss, wie auch immer, gibt es natürlich noch entsprechende Atteste, die man sich ausstellen lassen kann, ob man trotz dieser Medikamente, weil es ist ein Medikament im eigentlichen Sinne, trotzdem noch am Straßenverkehr teilnehmen darf.

Das heißt, wie jeder Diabetiker kann auch einen Zuckerschock kriegen, auch hier ist einfach immer die Frage, kann er am Straßenverkehr teilnehmen oder nicht? Und da muss man einfach gucken, das würde ich aber immer individuell mit dem Arzt absprechen, wie er das auch einschätzt und wie auch die Eigenverantwortung ist.

Also wenn ich merke, nach jedem Inhalieren bin ich halt die ersten drei, vier Stunden, dann sollte ich natürlich sowas einfach aus Eigenverantwortung her nicht machen. Auch viele Patienten nehmen teilweise auch nur noch schwer am Straßenverkehr teil, und die, die es machen, die haben vielleicht wirklich eine ganz andere Zusammensetzung der einzelnen Blüten, so dass da gar nichts Psychoaktives ist, sondern da geht’s eher um diesen entzündungshemmenden Anteil.

Aber sowas würde ich immer individuell noch mal mit dem Arzt besprechen, wie man das machen kann oder wie man das auch machen sollte. Und auch die Behörden halten das ein Stück weit immer ein bisschen anders. Aber wichtig ist wirklich, wo kommt‘s denn her? Das heißt, auch wenn man jetzt mal aufgegriffen wird beispielsweise bei einer Routineuntersuchung und hat dann sowas bei, wenn es dann wirklich auch der Eigenbedarf ist, der nachweislich ist, erfahrungsgemäß gibt’s da überhaupt keine Herausforderungen.

Mario D. Richardt: Nebenwirkungen, hast du schon gesagt, sind eigentlich nicht vorhanden.

Tobias Kühne-Döge: Nein, eigentlich ist, nicht eigentlich, sondern das, was bei vielen als Nebenwirkung ist, ist hier wirklich im positiven Aspekt. Gerade viele machen einfach Appetitsverlust, hier wird es eher gesteigert, nur mal als Beispiel zu nennen.

Oder auch diese wieder, ich will nicht sagen euphorisierende, aber so ein Stück weit auch antriebsaktivierende Eigenschaft, die ist auf alle Fälle auch da, die bei vielen Medikamenten einfach nicht gegeben wird. Also ganz, ganz große Erfolge hat man auch wirklich in dem neurologischen Bereich oder auch in der Krebs-Tumor-Therapie, um einfach die Patienten wieder ein Stück weit auf die Beine zu bekommen.

Das funktioniert wirklich ganz, ganz gut. Und so wird es auch schon gehandhabt. Aber Nebenwirkungen wie bei jedem Präparat auch kann jedes Mittel, was eine Wirkung hat, auch mal Nebenwirkungen haben. Ob das jetzt allergisch eine Arthrose oder wie auch immer, müsste man tatsächlich mal schauen.

Gibt es Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten?

Mario D. Richardt: Was ist mit Wechselwirkungen?

Tobias Kühne-Döge: Wechselwirkung tatsächlich ist immer ein Thema, Wechselwirkung mit anderen Medikamenten. Deswegen ist es auch immer wichtig zu wissen, dass der Arzt ein komplettes Bild hat über die Medikamente, was der Patient nimmt. Aber beispielsweise wird jetzt ein Medikament, was jetzt als Schmerzmittel deklariert ist, das wird man meistens absetzen und dann würde man sagen, probiere doch mal bitte, wie kommst du denn mit dem und diesem Medikament hin?

Also, dass da irgendwie eine Co-Medikation parallel noch läuft, das muss alles durch den Arzt auch abgeklärt werden. Weil wie gesagt, auch wenn das medizinische Cannabis wirklich gut wirkt, es ist natürlich nicht der Garant dafür, dass man jetzt alles andere weglassen kann. Sondern es wirkt natürlich nur auf bestimmte Teile des Beschwerdebildes des Patienten oder der Patientin.

Wenn jetzt beispielsweise ein Bluthochdruck oder so besteht, die Medikamente müssen natürlich trotzdem weiter eingenommen werden. Deswegen immer ausführlich und auch der Apotheker immer mitteilen, was noch genommen wird. Und die Apotheke weiß dann auch, gerade wenn sie es nicht bloß einmal in der Woche macht, sondern regelmäßig in größeren Mengen, was genau oder wo da einfach der Hase im Pfeffer liegen könnte.

Mario D. Richardt: Jetzt habe ich gerade so ein bisschen Kopfkino und denke mir grad, dass der eine oder andere Hörer sich jetzt denkt, ah, es hilft also gegen dies, es hilft gegen das, ich habe ein bisschen Bandscheibenvorfall, ich lege mir jetzt eine Hanfplantage auf dem Hinterhof zu.

Das ist natürlich trotzdem weiterhin illegal.