Spermidin

Weizenkeime zur Spermidin-Produktion

Spermidin ist ein körpereigener Stoff, der in den letzten Jahren stark in den Fokus der Forschung gerückt ist. Mittlerweile findet man diese Substanz auch in Nahrungsergänzungsmitteln. Doch was ist Spermidin, welche Spermidin Wirkung wird diskutiert, hat Spermidin Nebenwirkungen und wie können wir das Ganze wissenschaftlich einordnen?

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Wissen kompakt

  • Spermidin für Nahrungsergänzungsmittel wird hauptsächlich aus Weizenkeimen gewonnen.
  • Es spielt in vielen Prozessen im menschlichen Körper eine wichtige Rolle, u. a. bei der Autophagie (zellulärer Reinigungsprozess).
  • Spermidin ist Gegenstand aktueller Forschungen (z. B. Anti-Aging), jedoch konnten bislang keine direkten Effekte am Menschen belegt werden.

Was ist Spermidin?

Spermidin ist eine sogenannte biogene Polyamin-Verbindung – eine natürlich vorkommende Substanz, die in allen menschlichen Zellen vorkommt. Der Körper stellt Spermidin selbst her, nimmt es aber auch über bestimmte Lebensmittel auf.

Wie der Name „Spermidin“ vermuten lässt, wurde es erstmals in menschlichem Sperma entdeckt und ist dort am höchsten konzentriert. Es ist verantwortlich für den charakteristischen Geruch. Heute weiß man, dass es eine wichtige Rolle in vielen zellulären Prozessen spielt, insbesondere bei der sogenannten Autophagie. Autophagie ist ein körpereigener „Reinigungsprozess“, bei dem beschädigte Zellbestandteile abgebaut und recycelt werden. Diese Fähigkeit nimmt mit zunehmendem Alter ab und genau hier setzt das Interesse an Spermidin an.

KlassifizierungPolyamin (biogenes Amin)
VorkommenWeizenkeime, Sojabohnen, gereifter Käse, Pilze
GewinnungAus Weizenkeimen

Spermidin Wirkung

Wahrscheinlich hast du schon während der Corona-Pandemie von Spermidin gehört. Damals sorgte eine Laborstudie der Charité Berlin für Aufmerksamkeit: In Zellkulturen konnte Spermidin die Vermehrung von SARS-CoV-2 hemmen, vermutlich durch die Anregung der zelleigenen Autophagie. Diese Ergebnisse stammen jedoch ausschließlich aus Laborversuchen, ähnliche Effekte beim Menschen konnten bislang nicht durch klinische Studien belegt werden.

In ersten präklinischen Studien (also in Zellversuchen und an Tieren) wurden jedoch interessante Effekte von Spermidin beobachtet. Besonders im Fokus steht seine potenzielle Rolle bei

  • der Aktivierung von Autophagie,
  • der Zellgesundheit im Alter und
  • der kognitiven Funktion (grundlegende geistige Fähigkeiten wie Denken, Lernen und Erinnern).

Studien legen nahe, dass Spermidin zellschützende Eigenschaften haben und altersbedingten Prozessen entgegenwirken könnte. Auch eine mögliche unterstützende Wirkung auf das Herz-Kreislauf-System wird diskutiert.

Bisher gibt es keine ausreichenden Belege am Menschen, die eine konkrete Wirkung bestätigen. Daher hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) bislang keinen Health Claim (gesundheitsbezogene Aussage) für Spermidin zugelassen. Spermidin bleibt damit als neues Nahrungsergänzungsmittel Gegenstand laufender Forschung.

Wissenschaftliche Studien zu Spermidin

Wir bei apodiscounter legen großen Wert auf die Verwendung wissenschaftlich fundierter Quellen, wie beispielsweise Studien aus Fachzeitschriften. Hier findest du einige Originalquellen zu diesem Artikel:

Spermidin Nebenwirkungen

Bei einer Dosierung von 1 bis 2 mg pro Tag gilt Spermidin als gut verträglich. Allerdings können bei einer übermäßigen Einnahme von mehr als 10 mg pro Tag Magen-Darm-Beschwerden wie Bauchschmerzen, Übelkeit und Durchfall auftreten. In seltenen Fällen sind auch allergische Reaktionen möglich. Langzeitwirkungen hoher Dosierungen sind bislang noch nicht vollständig erforscht, weswegen die empfohlene Tagesdosis eingehalten werden sollte.

Menschen mit chronischen Erkrankungen oder in medikamentöser Behandlung sollten vor der Einnahme von Spermidin ärztlichen Rat einholen. Auch für Schwangere, Stillende sowie Kinder und Jugendliche gibt es keine ausreichenden Daten zur Sicherheit.

Weitere spannende Informationen über Spermidin findest du im Artikel Ist Spermidin krebserregend?

Welche Spermidin Lebensmittel gibt es?

Spermidin kommt ganz natürlich in vielen pflanzlichen Lebensmitteln vor.

Lebensmittel mit einem hohen Spermidingehalt

  • Weizenkeime
  • Getrocknete Sojabohnen
  • Gereifter Käse (z. B. Cheddar, mindestens 1 Jahr gereift)
  • Pilze (z. B. Shiitake, Kräuterseitlinge)
  • Grüne Erbsen (gekocht)
  • Brokkoli
  • Vollkornprodukte (z. B. Vollkornbrot)

Durch eine ausgewogene Ernährung kann also auch über die Nahrung eine gewisse Menge Spermidin aufgenommen werden. Spitzenreiter unter den Spermidin Lebensmitteln sind eindeutig Weizenkeime. Deswegen wird in der EU fast ausschließlich Weizenkeime Spermidin für Nahrungsergänzungsmittel verwendet.

Für die Herstellung werden die Keime zunächst vom restlichen Korn getrennt. Grund ist, dass die Weizenkeime Spermidin in besonders hohen Mengen enthalten. Anschließend werden sie in einem schonenden Extraktionsverfahren verarbeitet. So entsteht ein standardisierter Weizenkeimextrakt mit einem genau festgelegten Spermidin-Gehalt, der in Kapseln oder Pulverform weiterverarbeitet wird.

Faktencheck Spermidin

Klassifizierung
Natürlich vorkommendes Polyamin
Wirkung
Spermidin wird traditionell und/oder unterstützend eingesetzt zur:
• Unterstützung zellulärer Reinigungsprozesse (Autophagie)
• Begleitung eines gesunden Alterungsprozesses
• Förderung der kognitiven Funktion
Diese Wirkungen sind wissenschaftlich nicht abschließend belegt.
Nebenwirkungen
Mögliche Nebenwirkungen von Spermidin sind:
• Magen-Darm-Beschwerden bei sehr hoher Dosierung
• Unverträglichkeiten bei empfindlichen Personen
Vor Einnahme ärztlichen Rat einholen.
Allgemeine Verzehrempfehlungen
• 1–6 mg Spermidin pro Tag
• Am besten zu einer Mahlzeit einnehmen
Angaben auf dem jeweiligen Präparat beachten.
Hinweis
Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Verzehr dienen nur zur Information und ersetzen keine medizinische Beratung. Bitte vor Anwendung ärztlichen Rat einholen. Nahrungsergänzungsmittel sind keine Arzneimittel und ihre Wirksamkeit ist nicht abschließend belegt.

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Hinweis: Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung und einen gesunden Lebensstil. Bei ernsthaften oder anhaltenden gesundheitlichen Beschwerden sollte immer ein Arzt oder eine Ärztin aufgesucht werden. Nahrungsergänzungsmittel sind nicht zur Behandlung, Heilung oder Vorbeugung von Krankheiten bestimmt.

Häufige Fragen zu Spermidin

Spermidin – was ist das?

Spermidin ist ein natürlich vorkommendes Polyamin, das in allen menschlichen Zellen enthalten ist. Der Körper stellt Spermidin selbst her. Zusätzlich nehmen wir es über die Nahrung auf. In der Wissenschaft wird Spermidin vor allem im Zusammenhang mit zellulären Erneuerungsprozessen (Autophagie) untersucht.

Kann ich mit Spermidin abnehmen?

Nein, Spermidin ist kein Mittel zur Gewichtsabnahme. Es gibt keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass Spermidin direkt beim Abnehmen hilft. Eine ausgewogene Ernährung und Bewegung sind die wichtigsten Faktoren zur Gewichtsabnahme.

Wo ist Spermidin enthalten?

Spermidin kommt in vielen Lebensmitteln vor, besonders in Weizenkeimen, getrockneten Sojabohnen, gereiftem Käse, Pilzen (z. B. Shiitake, Kräuterseitlinge), gekochten grünen Erbsen, Brokkoli und Vollkornprodukten. In Nahrungsergänzungsmitteln wird häufig Weizenkeimextrakt als Spermidinquelle verwendet.

Hat Spermidin Nebenwirkungen?

Bei der Einnahme von Spermidin solltest du dich stets an die Herstellerangaben des jeweiligen Produktes halten. Im Allgemeinen gilt Spermidin als gut verträglich, allerdings können Magen-Darm-Beschwerden auftreten. Personen mit Vorerkrankungen, Schwangere sowie Stillende sollten vor der Einnahme ärztlichen Rat einholen.

Wie viel Spermidin pro Tag?

Bislang gibt es keine offiziellen Verzehrempfehlungen für Spermidin. Allgemeine Empfehlungen basierend auf den Herstellerangaben sind 1–6 mg täglich. Dabei solltest du stets mit einer niedrigen Dosierung starten und bei Verträglichkeit langsam steigern. Die Herstellerangaben des jeweiligen Produktes geben weitere Auskunft.

Quellen

  • Kiechl et al. (2018). Higher spermidine intake is linked to lower mortality: A prospective population-based study. The American Journal of Clinical Nutrition, 108(2), 371–380.
  • Eisenberg et al. (2009). Induction of autophagy by spermidine promotes longevity. Nature Cell Biology, 11(11), 1305–1314.
  • Schwarz et al. (2018). Safety and tolerability of spermidine supplementation in mice and older adults with subjective cognitive decline. Aging (Albany NY), 10(1), 19–33.
  • Gassen et al. (2020). Analysis of SARS-CoV-2-controlled autophagy reveals spermidine, MK-2206, and niclosamide as putative antiviral therapeutics. bioRxiv.
  • Verbraucherzentrale. (2024). Jungbleiben mit Spermidin? Klartext Nahrungsergänzung. https://www.klartext-nahrungsergaenzung.de/wissen/lebensmittel/nahrungsergaenzungsmittel/jungbleiben-mit-spermidin-51804
  • A-T-I Arzneimittelinformation Berlin GmbH. (2020). Anti-Aging mit Spermidin? arznei-telegramm. https://www.arznei-telegramm.de/html/2020_05/2005038_02.html
  • Medizin transparent. (2024). Keine Belege für Spermidin gegen Demenz. https://medizin-transparent.at/spermidin-demenz/
  • Medizin transparent. (2024). Spermidin: Anti-Aging-Effekt unklar. https://medizin-transparent.at/spermidin/

Geschrieben und geprüft durch unser pharmazeutisches Team

„Pharmazie vereint für mich Wissenschaft und Hilfsbereitschaft. Ich habe mich für diesen Beruf entschieden, weil ich mein wissenschaftliches Interesse gezielt dafür einsetzen möchte, anderen Menschen zu helfen.“

Nawal Thaher ist approbierte Apothekerin und verfasst als Medical Writer Beiträge für den apodiscounter-Ratgeber. Mit ihrer pharmazeutischen Expertise stellt sie sicher, dass alle Inhalte wissenschaftlich fundiert und fachlich korrekt aufbereitet sind. Ihr besonderes Anliegen ist es, Menschen mit chronischen Erkrankungen auf Augenhöhe zu begegnen – mit verlässlichen Informationen, Einfühlungsvermögen und dem Anspruch, komplexe Themen verständlich und greifbar zu machen.

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