Kalte Füße, kalte Finger – Nur ein Frauenproblem?

Kalte Hände und Füße werden meist den Frauen zugeschrieben. Vor allem, wenn man abends ins Bett geht, kann das das Einschlafen behindern. Dann wird zu Wärmflasche, Wollsocken und dem Partner gegriffen, um sich wieder aufzuwärmen. Woran liegt es, wenn wir kalte Hände und Füße haben und wieso betrifft das Problem oftmals Veganer? Dazu mehr in dieser Folge „kernig-und-gesund“.

Dr. Katja Mühlberg

Angiologin

Seit 2010 ist sie Fachärztin für Innere Medizin und seit 2013 Angiologin. Lesen Sie noch mehr über Dr. Katja Mühlbergs Lebensweg als Ärztin.

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Transkript der Folge Kalte Füße, kalte Finger – Nur ein Frauenproblem?

Ich beginne heute mal mit einem Klischee. Der Mann geht ganz normal ins Bett, während die Frau dicke Socken im Bett anzieht und sich eine extra Decke ans Fußende packt oder, so macht es meine Frau, ein heißes Kirschkernkissen.

Und dann mitten in der Nacht wandern die eiskalten Frauenfüße rüber ins andere Bett und verpassen dem Bettpartner einen Kälteschock. Szenen einer Ehe. Oder auch bei unverheirateten Paaren, wer kennt das nicht. Bei „kernig & gesund“ geht es heute um kalte Füße und kalte Finger.

„kernig & gesund“, der Gesundheits-Podcast präsentiert von apodiscounter.de

Mario D. Richardt: Einen schönen guten Tag zu einer brandneuen Ausgabe „kernig & gesund“. Ich bin Mario D. Richardt und spreche jede Woche mit Experten über ein Gesundheitsthema. Heute ist es wieder Dr. Katja Mühlberg.

Sie ist Fachärztin für Innere Medizin und an Angiologie und Oberärztin an der Uniklinik in Leipzig. Guten Tag, Frau Dr Mühlberg!

Katja Mühlberg: Herzlichen guten Tag!

Mario D. Richardt: Ich habe es ja am Anfang gesagt und so dargestellt, als sei es ein reines Frauenproblem, die kalten Füße. Habe ich übertrieben oder ist das wirklich so?

Katja Mühlberg: Wenn ich unsere Praxis anschaue, dann ist es tatsächlich ein überwiegendes Frauenproblem. Aber nicht nur, es gibt auch die Männer mit kalten Händen und Füßen.

Mario D. Richardt: Haben Sie kalte Füße?

Katja Mühlberg: Ich habe das auch manchmal. Das ist auch gar nicht so unerklärlich. Frauen haben in der Regel im Vergleich zu Männern etwas weniger Muskelmasse. Das trifft natürlich nicht für jede Frau zu, aber im Schnitt ist das so.

Und man geht davon aus, dass weniger Muskelmasse auch bedeutet, dass man weniger Kältezittern aufbaut. Und das Zittern, das ist nichts Sichtbares, sondern etwas, was unsichtbar passiert, ist ein guter wärmespendender Effekt, den Männer eben offensichtlich besser haben als Frauen.

Mario D. Richardt: Sind kalte Füße gefährlich? Also außer für den, der es nachts aushalten muss.

Katja Mühlberg: Ja genau, für den ist es nicht schön. Sie sind in aller Regel nicht gefährlich. Das ist meistens ein harmloses Phänomen. Hat auch etwas mit dem vegetativen Nervensystem zu tun, so wie es eher introvertierte oder extrovertierte Leute gibt.

Kalte Füße werden dann gefährlich, wenn man es nicht schafft, mit herkömmlichen Maßnahmen sie warm zu kriegen. Wenn man dann beruflich oder auch in der Freizeit Situationen ausgesetzt ist, wo äußere Kälte noch hinzukommt und der Körper nicht gut rekompensieren kann.

Was sind die Gründe für kalte Hände und Füße?

Mario D. Richardt: Gibt es noch andere Gründe außer denen, die Sie schon genannt haben, für kalte Füße?

Katja Mühlberg: Der häufigste Grund ist sehr niedriger Blutdruck, an zweiter Stelle das Rauchen. Rauchen ist ein ganz wesentlicher Trigger, durch das Rauchen werden die Gefäße zusammengezogen und dadurch fließt weniger Blut durch.

Und das macht natürlich Kälte in der Endstrombahn. Aber auch, und das sehen wir sehr, sehr häufig, sehr schlanke, sehr dünne, magersüchtige Patienten sind häufiger betroffen und auch zum Teil Leute mit veganer oder vegetarischer Lebensweise.

Mario D. Richardt: Warum ist das so?

Katja Mühlberg: Das wissen wir noch nicht ganz genau, aber es scheint so zu sein, dass manche Spurenelemente, die dann in der Ernährung fehlen oder nicht substituiert werden, auch auf die Durchblutung einen Einfluss nehmen.

Mario D. Richardt: Zum Glück bin ich Fleischesser. Aber grundsätzlich ist es auch so, muss ich sagen, also ich habe grundsätzlich immer warme Füße, immer warme Hände. Ich bin halt ein Mann, habe viele Muskeln, weiß ich jetzt nicht, aber auf jeden Fall auch viel Fett.

Ist das auch so, dass Männer, die auch so ein bisschen fülliger sind, mehr Fett haben, dass die dann auch weniger frieren?

Katja Mühlberg: Auch das ist ein Aspekt. Fett ist wiederum auch ein Wärmespeicher. Und wer etwas mehr Speck auf den Rippen hat, ist auch ein bisschen besser geschützt. Aber wir wissen auch, dass zum Beispiel die Couchpotato wiederum eben doch eher zu kalten Händen und Füßen neigt.

Also alle Leute, die sich wenig bewegen und sehr träge sind, zählen dazu. Und das kann manchmal sogar bis hin zu depressiv erkrankten Patienten gehen, auch die sind meistens weniger körperlich aktiv als nicht depressive Menschen, und auch das kann sich auf die Hand- und Fuß-Durchblutung auswirken.

Mario D. Richardt: Dann sind es bei mir doch bloß die Muskeln. Dann kommen jetzt noch die kalten Finger dazu. Heißt das dann, kalte Füße heißt automatisch auch kalte Finger?

Katja Mühlberg: Oft gibt es den Zusammenhang zwischen kalten Füßen, kalten Händen, kalter Nasenspitze, kalten Ohren. Das sind so die Enden des Körpers, an denen wir auskühlen. Das gibt es. Aber es gibt natürlich auch jedes Phänomen für sich einzeln betrachtet.

Und vielleicht haben Sie auch schon mal den Begriff des Leichenfingers gehört oder der Raynaud-Erkrankung. Das ist etwas, was nun hauptsächlich die Hände betrifft, wo plötzlich einzelne Finger oder mehrere Finger absterben können und richtig weiß werden und sich auch blau und rot verfärben.

Und das ist etwas, was überwiegend an den Händen zu finden ist.

Wann sollte ich einen Arzt aufsuchen?

Mario D. Richardt: Kriegt man das mit? Also ist das schon so, dass man sagt, oh, jetzt wird es ein bisschen blau an den Fingern, ich sollte mal einen Arzt aufsuchen, oder?

Katja Mühlberg: Ja, das stimmt, das sieht man. Es gibt ganz viele Menschen, die darunter leiden. In den meisten Gründen ist es auch harmlos, gibt es keine organische Ursache.

Aber wenn jemand plötzlich im Laufe seines Lebens anfallsartig solche Attacken entwickelt, die kältebedingt oder auch ohne Kältereiz auftreten, dass ein Finger oder mehrere Finger plötzlich absterben und sich verfärben, dann sollte man unbedingt einen Arzt aufsuchen und nach den Ursachen forschen.

Mario D. Richardt: Kommen wir aber wirklich nochmal zu diesen harmlosen Varianten zurück. Die sind quasi im Sommer und im Winter. Also da gibt’s keinen Unterschied von der Jahreszeit, oder?

Katja Mühlberg: Das stimmt! Eine Neigung zu kalten Händen und Füßen, die ist von der Jahreszeit unabhängig, fällt aber natürlich im Winter viel häufiger ins Gewicht.

Was hilft bei kalten Füßen?

Mario D. Richardt: Jetzt kommen wir zu dem, was natürlich viele interessiert, die betroffen sind. Was hilft denn bei kalten Füßen?

Katja Mühlberg: Es hilft am allermeisten, wenn man abends vor dem Zubettgehen, und das ist häufig eine Situation, die gerade abends, Sie hatten es eingangs geschildert, zu Szenen einer Ehe führt, dass man abends vor dem Schlafengehen warm badet oder duscht.

Das ist eigentlich ein sehr einfaches Mittel, dass der Körper schön durchgewärmt ist. Man kann das Ganze steigern, indem man ein Wechselduschen oder Wechselfußbad anschließt. Das heißt also, zwei Schüsseln mit warmem und kaltem Wasser und abwechselnd die Füße in diese Schüsseln tauchen, mit kaltem Wasser aufhören, warme Socken anziehen und ab ins Bett.

Das durchwärmt den gesamten Körper und hilft auch bei kalten Händen.

Mario D. Richardt: Hilft auch ein warmer Tee oder eine warme Milch vorm Schlafengehen?

Katja Mühlberg: Auch das, die innerliche Wärme ist ganz bedeutend. Das ist der gleiche Effekt wie ein warmes Bad oder ein warmes Duschen, dass man praktisch von innen die Körperwärme her erzeugt.

Mario D. Richardt: Ich habe irgendwo mal gelesen, das kann auch völliger Unsinn sein, man sollte lieber nicht des Nächtens, wenn man kalte Füße hat, dicke Socken anziehen. Habe ich das richtig gehört oder in Erinnerung oder ist das Unsinn?

Katja Mühlberg: Auf die kalten Füße die dicken Socken bringt meistens nichts. Man sollte vorher versuchen, die Füße anzuwärmen, das kann mit dem Kirschkernkissen sein, das kann der heiße Tee sein oder das Fußbad.

Dann die Socken drauf, damit die Wärme gehalten wird. Das ist tatsächlich effektiver als auf den kalten Fuß den Socken zu ziehen.

Mario D. Richardt: Wie kann man denn die Ursachen bekämpfen beziehungsweise vorbeugen, dass man nachts wieder eine Frostbeule wird?

Katja Mühlberg: Wichtig ist, dass man die Gefäße trainiert. Denn die Ursache dieser kalten Hände und Füße sind längerfristig enggestellte Gefäße.

Und das Öffnen und das Schließen der Gefäße kann man trainieren, am besten mit solchen Wechselfußbädern oder Wechselarmbädern.

Mario D. Richardt: Also man sollte sich eingehend mal mit Kneipp beschäftigen?

Katja Mühlberg: Tatsächlich, diese guten alten Kneipp-Kuren, die sind sehr, sehr effektiv. Was man auch tun kann und was gerade in Situationen, wenn man draußen unterwegs ist, gut hilft, sind beheizbare Handschuhe.

Die gibt es im Handel mit Akkus beheizt oder auch der einfache Taschenwärmer ist es. Es gibt auch für die Füße beheizbare Einlegesohlen, die sehr, sehr effektiv sind und die auch für eine innerliche, wohlige Wärme sorgen.

Mario D. Richardt: Die kenne ich auch und ich finde die grandios. Ich muss manchmal sehr lange draußen auch in der Kälte drehen und da gibt es solche Sohlen, die kann man kaufen, ich glaube, die kosten so um 2,50 Euro, 3 Euro ungefähr das Paar.

Man holt das einfach raus aus der Verpackung und dann muss man die drei Minuten draußen liegenlassen, legt die rein. Und es ist unfassbar, wie dieses Material dann die Füße aufheizt. Und das hält wirklich so sechs bis neun Stunden.

Katja Mühlberg: Ja, das ist wirklich ein großer Gewinn. Und unsere Patienten schwören auch sehr darauf, entweder auf diese Variante oder auf akkubetriebene Einlagen, wenn man sehr, sehr lange unterwegs ist.

Aber es gibt für jeden das Richtige. Wenn man sich umschaut, gibt es wirklich sehr, sehr hilfreiche Mittel.

Wie bekommt man die kalten Finger wieder warm?

Mario D. Richardt: Frau Dr. Mühlberg, gibt es da Möglichkeiten, wie man vielleicht mit einem Training auch die Finger wieder warm bekommen kann?

Katja Mühlberg: Das Häufigste, was man hört, ist, dass Ausdauersport hilft diese Gefäßregulation wieder auf Trab zu bringen. Aber man kann auch gezielt die Hände mit dazunehmen, indem man entweder einen Grip-Ball, einen Igel-Ball oder einen Knet-Ball mit in die Hand nimmt.

Man kann zum Beispiel joggen gehen und während des Joggens diesen Ball kneten.

Mario D. Richardt: Beim Joggen?

Katja Mühlberg: Beim Joggen, mit jedem Schritt, von mir aus in jede Hand einen Ball und dann wechselnd immer zudrücken, wenn man mit dem Fuß aufsetzt. Das ist auch ein schönes Koordinationstraining.

Man kann sowas auch mit einem Handexpander machen oder mit Fingernetzen. Da gibt es viele Möglichkeiten, gezielt die Handdurchblutung anzuregen.

Mario D. Richardt: Ist das bei den Füßen auch so? Da gibt’s auch so spezielle Bälle, die so in Igel-Form sind, wo man so drüber rollen kann mit der Fußsohle. Hat das den gleichen Effekt?

Katja Mühlberg: Ja, ganz genau! Jede Art von Fußmassage regt die Durchblutung an. Was auch wichtig ist in diesem Zusammenhang zu betrachten, es gibt manchmal auch richtige Durchblutungsstörungen, die nicht nur funktionell sind, über die haben wir gerade gesprochen, wo die Gefäße sich verengen.

Sondern es gibt manchmal auch zugrundeliegende Erkrankungen wie zum Beispiel die Schaufensterkrankheit, eine Durchblutungsstörung der Beingefäße. Hier muss man dann tatsächlich dafür Sorge tragen, dass das wiederhergestellt wird, also eine Diagnostik mit Ultraschall gemacht wird und man nachschaut, ob die Gefäße nicht vielleicht doch organisch geschädigt sind.

Mario D. Richardt: Wie merke ich das, ob es was Organisches ist oder ob es einfach nur kalt ist?

Katja Mühlberg: Sie merken das in aller Regel dann, wenn sich zu den bisher beschriebenen Symptomen zum Beispiel ein Schmerz hinzugesellt, wenn sie längere Strecken laufen, und die Beine plötzlich krampfen oder schmerzen, sie stehenbleiben müssen, und dann der Schmerz nachlässt.

Das kann ein typischer Hinweis für eine Schaufensterkrankheit, eine PRVK sein. Dann sollte man auf jeden Fall den Arzt aufsuchen.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Mario D. Richardt: Darüber haben wir ja auch schon gesprochen. Wer möchte, kann das ganz gern mal nachhören. Wie es ist nochmal mit den Fingern, um darauf zurückzukommen, wann merke ich, dass ich da doch mal den Arzt aufsuchen sollte?

Katja Mühlberg: Auf jeden Fall dann, wenn dieses Raynaud-Phänomen, von dem wir gesprochen haben, also dieses anfallsartige Auftreten von Leichenfingern, hinzukommt.

Oder: Wenn man Verletzungen hat an den Fingern, die nicht abheilen, oder Nagelveränderungen, die immer wieder auftreten. Das sind Gründe, wo durchaus eine Bindegewebserkrankung, eine rheumatische Erkrankung dahinterstecken kann, die dann auch zu Durchblutungsstörungen der Hände führen kann.

Mario D. Richardt: Ich danke Ihnen vielmals, Frau Dr. Mühlberg!

Katja Mühlberg: Sehr, sehr gern!

Mario D. Richardt: Gern also bis zum nächsten Mal! Ihnen vielen Dank fürs Zuhören! Die nächste Folge „kernig & gesund“ gibt es am kommenden Mittwoch.

Alle Folgen komplett hören Sie auf kernig-und-gesund.de und außerdem dort, wo Sie gute Podcasts abonnieren können. Tschüss!

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