Die Hormonersatztherapie zählt zu den wirksamsten Behandlungen gegen belastende Wechseljahresbeschwerden. Gleichzeitig herrscht oft Unsicherheit über Nutzen, Risiken und Nebenwirkungen. Erfahre, wann eine Hormonersatztherapie infrage kommt, welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt und wie aktuelle Leitlinien die Therapie bewerten.
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Wissen kompakt
- Die Hormonersatztherapie kann Hitzewallungen, Schweißausbrüche und weitere Wechseljahresbeschwerden wirksam lindern.
- Die Auswahl der Hormone, ihre Dosierung und die Behandlungsdauer werden individuell festgelegt.
- Eine Hormonersatztherapie kann als Tablette, Pflaster, Gel, Spray oder Vaginalpräparat erfolgen.
- Die Empfehlungen zur Hormonersatztherapie wurden auf Grundlage neuer Erkenntnisse in den vergangenen Jahren überarbeitet.
- Ob eine Hormonersatztherapie für dich sinnvoll ist, sollte gemeinsam mit deinem Arzt bzw. deiner Ärztin entschieden werden.
DEFINITION
Was ist eine Hormonersatztherapie?
Eine Hormonersatztherapie ist eine ärztlich verordnete Behandlung, die sinkende Hormonspiegel während der Wechseljahre teilweise ausgleicht. Ziel der Therapie ist es, belastende Beschwerden zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern.
Mit Beginn der Wechseljahre nimmt die Hormonproduktion in den Eierstöcken nach und nach ab. Besonders der sinkende Östrogenspiegel kann zu Beschwerden wie Hitzewallungen, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen oder Scheidentrockenheit führen. Durch eine Hormongabe lassen sich diese Beschwerden in vielen Fällen wirksam lindern.
Die Behandlung wird immer auf die persönliche Situation abgestimmt. Entscheidend für eine Hormonersatztherapie sind unter anderem:
- Art und Stärke der Beschwerden
- Alter der Patientin
- Phase der Wechseljahre
- Vorerkrankungen
- Persönliche Risikofaktoren
Die Hormonersatztherapie wird hauptsächlich zur Behandlung von Wechseljahresbeschwerden eingesetzt. Sie kann auch bei einer vorzeitigen Menopause (Klimakterium praecox) oder nach einer operativen Entfernung der Eierstöcke infrage kommen, da die Hormonspiegel in diesen Fällen frühzeitig oder abrupt absinken.
Von pflanzlichen Präparaten oder Nahrungsergänzungsmitteln unterscheidet sich die Hormonersatztherapie deutlich: Sie enthält verschreibungspflichtige Hormone, deren Wirksamkeit und Sicherheit in klinischen Studien untersucht wurden. Wie jedes Arzneimittel können sie jedoch auch Nebenwirkungen verursachen.
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Gut zu wissen
Neben der Bezeichnung Hormonersatztherapie (HET) werden häufig auch die englische Abkürzung HRT (Hormone Replacement Therapy) sowie MHT (Menopausale Hormontherapie) verwendet. Viele Fachgesellschaften bevorzugen heute den Begriff MHT, weil dieser die Therapie fachlich präziser beschreibt.
MEDIKAMENTE
Welche Arten der Hormonersatztherapie gibt es?
Die Hormonersatztherapie kann, je nach Beschwerden und individueller Situation, unterschiedlich durchgeführt werden. Grundsätzlich wird bei Hormonersatztherapie-Medikamenten zwischen systemischen und lokalen Präparaten unterschieden. Welche Form geeignet ist, entscheidet der behandelnde Arzt bzw. die behandelnde Ärztin gemeinsam mit der Patientin.
Systemische Hormonersatztherapie oder lokale Hormonersatztherapie?
| Therapieform | Wann kommt sie infrage? | Darreichungsformen |
|---|---|---|
| Systemische HRT | Beschwerden im gesamten Körper, z. B. Hitzewallungen oder Schlafstörungen | Tabletten, Pflaster, Gel, Spray |
| Lokale HRT | Beschwerden im Vaginalbereich, z. B. Scheidentrockenheit | Vaginalcreme, Vaginaltabletten, Vaginalzäpfchen, Vaginalring |
Bei einer systemischen Hormonersatztherapie gelangen die Hormone über den Blutkreislauf in den gesamten Körper. Sie wird vor allem bei ausgeprägten Wechseljahresbeschwerden eingesetzt, die nicht auf den Intimbereich beschränkt sind. Die Anwendung erfolgt meist als Tablette, Pflaster, Gel oder Spray.
Gut zu wissen
Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) weist darauf hin, dass Hormonersatztherapie-Medikamente wie hormonhaltige Gele und Sprays bei Hautkontakt versehentlich übertragen werden können. Deshalb solltest du dir nach dem Auftragen die Hände gründlich waschen und die behandelte Hautstelle vollständig trocknen lassen, bevor sie mit anderen Personen oder Haustieren in Kontakt kommt.
Eine lokale Hormonersatztherapie wirkt hauptsächlich im Vaginalbereich. Sie kann bei Beschwerden wie Scheidentrockenheit, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr oder wiederkehrenden Harnwegsbeschwerden infolge eines Östrogenmangels ausreichend sein. Im Gegensatz zur systemischen Hormonersatztherapie gelangen dabei nur geringe Mengen der Hormone in den Blutkreislauf.

Welche Hormone werden bei einer Hormonersatztherapie eingesetzt?
Bei einer Hormonersatztherapie kommen vor allem Östrogene und, je nach persönlicher Situation, zusätzlich Gestagene zum Einsatz. Welche Hormonersatztherapie-Medikamente verordnet werden, hängt unter anderem davon ab, ob die Gebärmutter noch vorhanden ist und welche Beschwerden behandelt werden sollen.
| Hormonklasse | Wirkung in der HRT | Beispiele |
|---|---|---|
| Östrogene | Lindern typische Wechseljahresbeschwerden | Estradiol, Estriol |
| Gestagene | Schützen die Gebärmutterschleimhaut | Progesteron, Dydrogesteron, Norethisteron |
Bei Frauen mit erhaltener Gebärmutter wird die Behandlung mit Östrogenen durch ein Gestagen ergänzt. Dieses soll die Gebärmutterschleimhaut vor einer übermäßigen Verdickung schützen und dadurch das Risiko für Gebärmutterschleimhautkrebs senken. Nach einer Entfernung der Gebärmutter ist ein Gestagen häufig nicht erforderlich.
Gut zu wissen
Progesteron wird nicht nur im Rahmen einer Hormonersatztherapie eingesetzt. Vor allem in der Perimenopause kann eine Behandlung auch ohne zusätzliche Östrogene infrage kommen, beispielsweise bei Zyklusstörungen oder bestimmten Schlafstörungen. Progesteron-Tabletten werden zudem unter anderem bei Progesteronmangel sowie im Rahmen einer Kinderwunschbehandlung eingesetzt.
Was sind bioidentische Hormone?
Bioidentische Hormone besitzen dieselbe chemische Struktur wie die körpereigenen Hormone. Zu den in der Hormonersatztherapie verwendeten bioidentischen Hormonen gehören beispielsweise Estradiol und mikronisiertes Progesteron.
Viele heute zugelassene Arzneimittel zur Hormonersatztherapie enthalten bioidentische Hormone. Bioidentisch bedeutet jedoch nicht automatisch besser oder risikofrei. Auch bei bioidentischen Hormonen müssen Nutzen und mögliche Risiken gegeneinander abgewogen werden.
Gut zu wissen
Bioidentische Hormone werden häufig mit compounded bioidentical hormones verwechselt. Dabei handelt es sich um individuell in Apotheken hergestellte Hormonrezepturen. Sie können zum Einsatz kommen, wenn kein zugelassenes Fertigarzneimittel den individuellen Behandlungsbedarf abdeckt, etwa bei besonderen Dosierungen oder Kombinationen. Anders als zugelassene Hormonpräparate wurden diese Rezepturen meist nicht in klinischen Studien auf Wirksamkeit und Sicherheit geprüft. Deshalb liegen für sie häufig weniger Daten zu Qualität, Wirksamkeit und Sicherheit vor.
ANWENDUNGSGEBIETE
Wann kann eine Hormonersatztherapie sinnvoll sein?
Eine Hormonersatztherapie kann sinnvoll sein, wenn Wechseljahresbeschwerden den Alltag deutlich beeinträchtigen und andere Maßnahmen nicht ausreichen. Oft ist dies während der Perimenopause oder in den ersten Jahren nach der Menopause der Fall.
Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V. (DGGG) empfiehlt sie insbesondere bei starken Hitzewallungen und nächtlichen Schweißausbrüchen – sofern keine Gegenanzeigen bestehen und nach ärztlicher Nutzen-Risiko-Abwägung.
Typische Anwendungsgebiete der Hormonersatztherapie sind:
- Hitzewallungen und nächtliche Schweißausbrüche
- Schlafstörungen im Zusammenhang mit den Wechseljahren
- Scheidentrockenheit und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
- Wiederkehrende Beschwerden der Harnwege infolge eines Östrogenmangels
In bestimmten Fällen kann eine Hormonersatztherapie auch zur Vorbeugung von Osteoporose (Knochenschwund) eingesetzt werden.
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VORTEILE
Welche Vorteile kann eine Hormonersatztherapie haben?
Eine Hormonersatztherapie gilt als wirksamste Behandlung von Hitzewallungen und nächtlichen Schweißausbrüchen in den Wechseljahren. Auch die Deutsche Menopause Gesellschaft (DMG) und internationale Fachgesellschaften empfehlen eine Hormonersatztherapie insbesondere bei diesen Beschwerden.
Je nach individueller Situation kann die Hormonersatztherapie außerdem
- die Schlafqualität verbessern,
- die Lebensqualität erhöhen,
- Scheidentrockenheit lindern,
- Schmerzen beim Geschlechtsverkehr verringern,
- den Knochenabbau verlangsamen sowie
- das Risiko osteoporotischer Frakturen unter bestimmten Voraussetzungen senken.
Welche Vorteile tatsächlich zu erwarten sind, hängt vom Alter, dem Zeitpunkt des Therapiebeginns, den Beschwerden sowie der gewählten Behandlungsform ab.
WIRKBEGINN
Wie schnell wirkt eine Hormonersatztherapie?
Wie schnell eine Hormonersatztherapie wirkt, ist von Frau zu Frau verschieden. Erste Verbesserungen treten häufig bereits nach wenigen Wochen auf. Bis sich die volle Wirkung entfaltet, können jedoch zwei bis drei Monate vergehen.
Wie schnell sich Beschwerden unter einer Hormonersatztherapie bessern, wird unter anderem davon beeinflusst,
- welche Beschwerden behandelt werden,
- welche Hormone eingesetzt werden,
- in welcher Dosierung die Therapie erfolgt und
- wie der Körper auf die Behandlung anspricht.
Hitzewallungen und nächtliche Schweißausbrüche lassen sich durch eine systemische Hormonersatztherapie häufig besonders gut lindern. Auch lokale Beschwerden wie Scheidentrockenheit können sich unter einer vaginalen Östrogentherapie innerhalb weniger Wochen bessern.
Bleiben Beschwerden bestehen oder treten Nebenwirkungen auf, kann dein Arzt oder deine Ärztin die Dosierung, das Präparat oder die Darreichungsform anpassen. Regelmäßige Kontrolltermine helfen dabei, die Behandlung optimal abzustimmen.
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NEBENWIRKUNGEN
Hat eine Hormonersatztherapie Nebenwirkungen und Risiken?
Wie jede medikamentöse Behandlung kann auch eine Hormonersatztherapie Nebenwirkungen und Risiken haben. Wie intensiv diese ausfallen, hängt unter anderem vom Alter, dem Zeitpunkt des Therapiebeginns, der Therapiedauer, der Art der Hormone sowie individuellen Risikofaktoren ab.
Nach Einschätzung der Deutschen Menopause Gesellschaft (DMG) überwiegt bei vielen Frauen unter 60 Jahren oder innerhalb von zehn Jahren nach Beginn der Menopause der Nutzen einer Hormonersatztherapie den möglichen Risiken – sofern keine Gegenanzeigen bestehen. Eine sorgfältige ärztliche Nutzen-Risiko-Abwägung bleibt dennoch Voraussetzung.
Häufige Nebenwirkungen einer Hormonersatztherapie
Vor allem zu Beginn der Hormonbehandlung können leichte und meist vorübergehende Nebenwirkungen auftreten. Dazu gehören:
- Spannungsgefühl in der Brust
- Zwischenblutungen
- Wassereinlagerungen
- Kopfschmerzen
- Übelkeit
- Hautreizungen bei Pflastern
Bleiben die Beschwerden bestehen oder werden sie als belastend empfunden, kann nach Rücksprache mit deinem Arzt oder deiner Ärztin ein Wechsel des Präparats, der Dosierung oder der Darreichungsform sinnvoll sein.
Erhöht eine Hormonersatztherapie das Brustkrebsrisiko?
Heute wird das Brustkrebsrisiko differenzierter bewertet als noch vor einigen Jahren. Es hängt unter anderem von der Art der Behandlung, der Therapiedauer und persönlichen Risikofaktoren ab. Vor allem eine längerfristige kombinierte Behandlung mit Östrogenen und Gestagenen kann das Brustkrebsrisiko erhöhen. Für viele Frauen bleibt das absolute Risiko jedoch gering und muss immer gegen den Nutzen der Behandlung abgewogen werden.
Ausgewählte wissenschaftliche Quellen
Bei apodiscounter legen wir großen Wert auf die Verwendung wissenschaftlich fundierter Quellen, wie beispielsweise Studien aus Fachzeitschriften. Hier findest du einige Originalquellen zum Brustkrebsrisiko bei Hormonersatztherapie:
Langzeitstudie zu Nutzen und Risiken der Hormonersatztherapie.
Metaanalyse zum Brustkrebsrisiko unter Hormonersatztherapie
Aktuelles Positionspapier zur Hormonersatztherapie
Gut zu wissen
Frauen mit einer bestehenden oder früheren Brustkrebserkrankung sollten vor einer Hormonersatztherapie ausführlich gynäkologisch und gegebenenfalls onkologisch beraten werden.
Weitere Risiken einer Hormonersatztherapie
Je nach Präparat und individuellen Risikofaktoren kann eine Hormonersatztherapie außerdem das Risiko für folgende Erkrankungen erhöhen:
- Venöse Thrombosen
- Lungenembolien
- Schlaganfälle
- Gallenblasenerkrankungen
Auch die Darreichungsform kann eine Rolle spielen. Transdermale Präparate, also Arzneimittel, die ihre Wirkstoffe über die Haut freisetzen, wie Pflaster oder Gele, werden bei bestimmten Risikokonstellationen bevorzugt. Nach derzeitigem Wissensstand erhöhen sie das Risiko für venöse Thrombosen vermutlich weniger als oral eingenommene Tabletten.
GEWICHT
Führt eine Hormonersatztherapie zu Gewichtszunahme?
Aktuelle Übersichtsarbeiten und Empfehlungen medizinischer Fachgesellschaften zeigen keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen einer Hormonersatztherapie und Gewicht.
Viele Frauen nehmen zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr an Gewicht zu. Ursächlich sind vor allem altersbedingte Veränderungen des Stoffwechsels, ein sinkender Energieverbrauch sowie hormonelle Veränderungen während der Wechseljahre.
Gut zu wissen
Einige Studien weisen sogar darauf hin, dass sich die Fettverteilung unter einer Hormonersatztherapie günstiger entwickeln kann als ohne Behandlung. Dennoch sollte eine Hormonersatztherapie keinesfalls zur Gewichtsreduktion eingesetzt werden.
DAUER
Wie lange sollte eine Hormonersatztherapie angewendet werden?
Aktuelle Empfehlungen sehen keine feste Höchstdauer vor. Stattdessen sollte regelmäßig gemeinsam mit dem Arzt oder der Ärztin überprüft werden, ob die Behandlung weiterhin sinnvoll ist. Dabei werden unter anderem berücksichtigt:
- Aktuelle Beschwerden
- Alter
- Persönliche Risikofaktoren
- Begleiterkrankungen
- Therapieziel
Hormonersatztherapie bis ins hohe Alter?
Eine pauschale Altersgrenze gibt es nicht. Ob eine Hormonersatztherapie auch über das 60. Lebensjahr hinaus fortgeführt werden kann, sollte gemeinsam mit dem betreuenden Arzt bzw. der betreuenden Ärztin entschieden werden. Mit zunehmendem Alter verschieben sich Nutzen und Risiken, sodass regelmäßige ärztliche Kontrollen besonders wichtig sind.
Wichtig: Lassen die Beschwerden nach oder verändern sich die gesundheitlichen Voraussetzungen, kann durch den behandelnden Arzt bzw. durch die behandelnde Ärztin die Dosierung angepasst oder die Therapie schrittweise beendet werden. Ein eigenständiges Absetzen der Hormonersatztherapie wird nicht empfohlen.
STUDIENLAGE
Warum wird die Hormonersatztherapie heute anders bewertet als früher?
Die Bewertung der Vorteile und Risiken einer Hormonersatztherapie hat sich in den vergangenen 20 Jahren deutlich verändert. Die folgende Übersicht zeigt die wichtigsten Entwicklungen.
2002
Veröffentlichung der Women’s Health Initiative (WHI)-Studie. Die Studienergebnisse werden zunächst als Hinweis auf ein erhöhtes Risiko für Brustkrebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Thrombosen unter bestimmten Hormonpräparaten interpretiert.
ab 2002
Die damalige Einordnung der Studienergebnisse verunsichert Frauen und medizinisches Fachpersonal. Viele Frauen beenden ihre Hormonersatztherapie, die Zahl der Verschreibungen geht deutlich zurück.
ab ca. 2005
Reanalysen der WHI-Daten und neue Studien zeigen, dass Nutzen und Risiken stärker von Alter, Therapiebeginn, Art der Hormone und Darreichungsform abhängen als zunächst angenommen.
Heute
Nationale und internationale Fachgesellschaften empfehlen keine pauschale Ablehnung der Hormonersatztherapie mehr. Stattdessen steht eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung im Mittelpunkt.
Die Women’s Health Initiative (WHI) zählt bis heute zu den wichtigsten Studien zur Hormonersatztherapie. Im Laufe der Zeit zeigte sich jedoch, dass sich die Ergebnisse nicht uneingeschränkt auf alle Frauen und alle Hormonpräparate übertragen lassen. So wurden in der WHI-Studie überwiegend ältere Frauen untersucht und andere Hormonpräparate eingesetzt als heute üblich.
| Früher | Heute |
|---|---|
| Die Risiken der Hormonersatztherapie wurden häufig pauschal bewertet. | Nutzen und Risiken werden heute individuell gegeneinander abgewogen. |
| Die ersten Schlussfolgerungen aus der WHI-Studie wurden oft auf alle Frauen übertragen. | Alter, Zeitpunkt des Therapiebeginns und persönliche Risikofaktoren werden stärker berücksichtigt. |
| Unterschiede zwischen Präparaten wurden weniger berücksichtigt. | Art der Hormone und Darreichungsform werden auf die Patientin abgestimmt. |
ARZTBESUCH
Wann sollte man sich bei Wechseljahresbeschwerden ärztlich beraten lassen?
Eine ärztliche Beratung ist sinnvoll, wenn Wechseljahresbeschwerden den Alltag deutlich beeinträchtigen oder Unsicherheit besteht, welche Behandlung infrage kommt.
Erste Anlaufstelle ist häufig der Hausarzt oder die Hausärztin. Für die Diagnostik und Behandlung von Wechseljahresbeschwerden sowie die Entscheidung über eine Hormonersatztherapie ist üblicherweise der Frauenarzt bzw. die Frauenärztin zuständig. Bei bestimmten Vorerkrankungen oder komplexen Fragestellungen kann zusätzlich eine endokrinologische (Fachgebiet Hormone) sowie onkologische (Fachgebiet Krebs) Beratung sinnvoll sein.
Insbesondere Frauen mit bestehenden Erkrankungen oder einem erhöhten Risiko für Brustkrebs, Thrombosen sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen sollten sich vor Beginn einer Hormonersatztherapie ausführlich beraten lassen.
Checkliste: Gut vorbereitet ins Arztgespräch zur Hormonersatztherapie
Wenn du eine Hormonersatztherapie in Betracht ziehst, kann dir diese Checkliste helfen, dich auf das Arztgespräch vorzubereiten und wichtige Informationen bereitzuhalten.
Checkliste ausklappen
Beschwerden & Symptome
- Welche Beschwerden belasten mich am meisten? (z. B. Hitzewallungen, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, Scheidentrockenheit oder Gelenkbeschwerden)
- Seit wann bestehen die Beschwerden?
- Wie stark beeinträchtigen die Beschwerden meinen Alltag oder meine Lebensqualität?
Zyklus & Vorgeschichte
- Wann war meine letzte Regelblutung?
- Ist meine Menstruation noch regelmäßig oder bereits unregelmäßig?
- Wurde meine Gebärmutter oder wurden meine Eierstöcke entfernt?
Gesundheit & Risiken
- Welche Medikamente, pflanzlichen Präparate oder Nahrungsergänzungsmittel nehme ich regelmäßig ein?
- Hatte ich bereits Brustkrebs, Thrombosen, Schlaganfälle oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen?
- Gibt es in meiner Familie Brustkrebs, Eierstockkrebs, Thrombosen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen?
- Sind die Wechseljahre bei nahen weiblichen Verwandten früh eingetreten?
Wünsche & Fragen
- Welche Erwartungen habe ich an die Behandlung?
- Welche Sorgen oder Fragen möchte ich im Arztgespräch ansprechen?
Häufige Fragen zur Hormonersatztherapie
Was ist HRT?
HRT steht für „Hormone Replacement Therapy“ und bezeichnet die Hormonersatztherapie beziehungsweise Menopausale Hormontherapie (MHT). Dabei werden Hormone verabreicht, um hormonelle Veränderungen in den Wechseljahren auszugleichen und Beschwerden zu lindern.
Wie lange dauert es, bis eine Hormonersatztherapie wirkt?
Erste Verbesserungen zeigen sich häufig innerhalb weniger Wochen. Die volle Wirkung kann je nach Beschwerden und Präparat zwei bis drei Monate benötigen. Kommt es zu keiner Besserung der Beschwerden, sollte eine erneute ärztliche Abklärung erfolgen.
Ist eine Hormonersatztherapie gefährlich?
Nicht grundsätzlich. Nach aktuellen Leitlinien kann der Nutzen bei vielen Frauen den möglichen Risiken überwiegen. Entscheidend sind Alter, Gesundheitszustand, Beschwerden und individuelle Risikofaktoren.
Bekomme ich von einer Hormonersatztherapie Brustkrebs?
Eine Hormonersatztherapie kann das Risiko für Brustkrebs erhöhen. Dies hängt unter anderem von der Art und Dauer der Behandlung sowie persönlichen Risikofaktoren ab. Eine ärztliche Nutzen-Risiko-Abwägung ist daher besonders wichtig.
Beeinflusst eine Hormonersatztherapie das Gewicht?
Nach aktuellem Wissensstand verursacht eine Hormonersatztherapie keine Gewichtszunahme. Veränderungen des Körpergewichts hängen meist mit den hormonellen Veränderungen der Wechseljahre und dem Alterungsprozess zusammen.
Kann man eine Hormonersatztherapie bis ins hohe Alter fortführen?
Eine feste Altersgrenze gibt es nicht. Ob die Therapie fortgeführt werden sollte, wird regelmäßig gemeinsam mit dem behandelnden Arzt überprüft.
Brauche ich für eine Hormonersatztherapie ein Rezept?
Ja. Arzneimittel zur Hormonersatztherapie sind in Deutschland verschreibungspflichtig und werden nach ärztlicher Diagnose verordnet.
Sind das die Wechseljahre?
Unsicher, ob deine Beschwerden mit hormonellen Veränderungen zusammenhängen? Eine ärztliche Einschätzung kann helfen.
Jetzt einfach von zu Hause aus Hormonstatus bestimmen und Therapieoptionen besprechen.

Quellen
- “The 2022 Hormone Therapy Position Statement of The North American Menopause Society” Advisory Panel. The 2022 hormone therapy position statement of The North American Menopause Society. Menopause. 2022; 29:767-794.
- Ausgewählte Fachinformationen zugelassener Hormonpräparate (u. a. Gynokadin®, Lenzetto®, Utrogest®). Fachinfo-Service von Rote Liste. [abgerufen 02.07.2026]
- Chlebowski RT, Anderson GL, Aragaki AK. Association of Menopausal Hormone Therapy With Breast Cancer Incidence and Mortality During Long-term Follow-up of the Women’s Health Initiative Randomized Clinical Trials. JAMA. 2020; 324:369-380.
- Collaborative Group on Hormonal Factors in Breast Cancer. Type and timing of menopausal hormone therapy and breast cancer risk: individual participant meta-analysis of the worldwide epidemiological evidence. Lancet. 2019; 394:1159-1168.
- Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG). S3-Leitlinie Peri- und Postmenopause – Diagnostik und Interventionen. Version 2.3. AWMF-Register Nr. 015-062. 2020.
- Estradiol – CMDh scientific conclusions and amendments to the product information (PSUSA/00001044/202108). European Medicines Agency (EMA). 2022.
- Human hormonal treatments: be careful not to expose your pets. ANSES-ANMV (French Agency for Veterinary Medicinal Products). 2022. [abgerufen 02.07.2026]
- Leitlinien und Positionspapiere. Deutsche Menopause Gesellschaft e.V. [abgerufen 02.07.2026]
- Maclennan AH, Broadbent JL, Lester S, Moore V. Oral oestrogen and combined oestrogen/progestogen therapy versus placebo for hot flushes. Cochrane Database Syst Rev. 2004; 2004:CD002978.
- Rossouw JE, Anderson GL, Prentice RL, et al. Risks and benefits of estrogen plus progestin in healthy postmenopausal women: principal results From the Women’s Health Initiative randomized controlled trial. JAMA. 2002; 288:321-33.
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Katalin Záreczky ist approbierte Apothekerin und unterstütz mit ihrer Expertise das apodiscounter Ratgeber-Team.
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