Reiseapotheke im Urlaub: Was gehört rein, was kann zu Hause bleiben? In dieser Folge von „kernig & gesund“ – dem Gesundheitspodcast präsentiert von apodiscounter erfährst du, wie du deine Reiseapotheke optimal zusammenstellst. Moderator Mario D. Richardt spricht mit Apothekerin Dr. Nina Unger über wichtige Medikamente für unterwegs, sinnvolle Helfer bei Magen-Darm-Beschwerden, Insektenschutz, Sonnenschutz und Tipps für chronisch kranke Reisende. Erfahre, welche Medikamente in tropischen Ländern besonders wichtig sind, wie du deine Arzneimittel sicher lagerst – und was bei der Mitnahme ins Ausland unbedingt zu beachten ist.
Expertin: Dr. Nina Unger, Apothekerin

Apothekerin
Dr. Nina Unger
Dr. Nina Unger studierte in Würzburg Pharmazie und promovierte im Anschluss im Fachbereich medizinische Chemie. Sie verfügt über langjährige Erfahrungen in öffentlichen Apotheken und als Lehrerin an einer PTA-Schule – nebenberuflich ist sie als Referentin tätig und bietet Schulungen für pharmazeutisches Personal an.
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Reiseapotheke – Was gehört da wirklich hinein?
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Sommer, Sonne, Urlaubszeit – doch was tun, wenn es im schönsten Moment plötzlich zwickt im Magen? Wenn der Kopf schmerzt oder die Mücken zubeißen – eine gut gepackte Reiseapotheke kann der Retter in der Not sein. Vorausgesetzt, sie enthält die richtigen Dinge.
„kernig & gesund“ – der Gesundheitspodcast, präsentiert von apodiscounter – die Apotheke für alle.
Mario D. Richardt: Willkommen zu einer brandneuen Folge von „kernig & gesund“. Ich bin Mario D. Richardt und heute geht es auf Reisen – zumindest gedanklich. Denn ob Fernreise, Campingurlaub oder Wochenentripp: eine sinnvolle Reiseapotheke darf im Gepäck nicht fehlen. Aber was muss eigentlich wirklich mit? Welche Medikamente und Hilfsmittel sollten, je nach Zielort, unbedingt dabei sein? Und was kann man getrost zu Hause lassen? Darüber spreche ich heute mit Dr. Nina Unger. Sie ist Apothekerin und weiß genau, was in keinem Koffer fehlen sollte. Schön, dass du bei uns bist, Nina!
Dr. Nina Unger: Vielen Dank für die Einladung! Ich freue mich auch sehr, hier zu sein.


Warum die Reiseapotheke so wichtig ist (1:03)
Mario D. Richardt: Nina, wie sieht die perfekte Grundausstattung für den Urlaub aus, für die Reiseapotheke? Kann man das so pauschal sagen?
Dr. Nina Unger: Nein, das kann man nicht pauschal sagen. Dafür sind wir Menschen viel zu individuell und dafür sind auch unsere Reiseziele viel zu individuell und deshalb geht es um eine ganz individuelle Beratung.
Mario D. Richardt: Aber es gibt so eine Art „Basisgrundausstattung“, was auf gar keinen Fall fehlen soll, oder?
Dr. Nina Unger: Jein, ich bin der Meinung, dass man sich vorher Gedanken machen sollte – wohin geht die Reise? Und die Basisausstattung oder die Grundausstattung richtet sich nach meinem Reiseziel. Wenn ich mit jemandem spreche, der nach Norwegen fährt, sieht vielleicht die Basisausstattung anders aus, als jemand, der nach Südafrika oder nach Indien fahren möchte.
Mario D. Richardt: Das leuchtet total ein. Aber ich sag mal: Kopfschmerztabletten sollten auf jeden Fall dabei sein. Die braucht man, egal ob man auf den Seychellen ist oder in Griechenland oder auf Korsika.
Dr. Nina Unger: Absolut. Mit Kopfschmerztabletten macht man in jedem Fall nichts verkehrt. Ich persönlich würde da das Paracetamol empfehlen, wenn es gut vertragen wird. Einfach, weil es tendenziell weniger Wechselwirkungspotenzial hat als seine ebenso bekannten Vertreter Ibuprofen oder das Aspirin bzw. Acetylsalicylsäure.
Ich würde mir Gedanken machen, was ich persönlich häufig brauche. Wenn ich empfindlich reagiere auf Klimaanlagen oder auf Wetterumschwünge oder ich habe empfindliche Augen, dann nehme ich mir Nasenspray mit oder Augentropfen. Bin ich mit Kindern unterwegs, ist es sinnvoll, kindergeeignete Arzneimittel wie z. B. Zäpfchen oder Fiebersäfte mitzunehmen. Ein Fieberthermometer kann natürlich ebenfalls nicht schaden.
Bin ich viel zu Fuß unterwegs, ein goldener Tipp: Die Pflaster! Die Fersenpflaster oder die Blasenpflaster, damit die Reise auch weitergehen kann – im wahrsten Sinne des Wortes.
Medikamente bei Magenproblemen und Durchfall (3:01)
Mario D. Richardt: Und wenn man einen empfindlichen Magen hat, sollte man auf jeden Fall immer was für den Magen mit dabeihaben. Denn so eine Magenverstimmung ist ja auch schnell mal da, ne?! Andere Länder, andere Speisen und schon zwickt es.
Dr. Nina Unger: Ja, das ist ein ganz ganz spannendes Thema, was man da machen kann. Magenverstimmung ist nicht gleich Magenverstimmung. Generell haben wir natürlich Präparate, die auf Bitterstoffbasis, also auf Kräuterextrakten, aufgebaut sind. Die man eben bei Völlegefühl oder bei Magenkrämpfen nehmen kann. Pfefferminzpräparate, Kümmelpräparate eignen sich da sehr gut.
Wenn man allerdings eher unter dem dringenden Bedürfnis leidet, weil man dann doch die – ich sag mal „bakterielle Umgebung“ in fremden Gebieten nicht so gewohnt ist – sollte man was mitnehmen, was man bei akut einsetzenden Durchfällen verwenden kann. Und natürlich etwas, um dann die Darmflora wieder aufzubauen. Also hier gibt es Präparate auf Hefebasis, für Kinder oder für Erwachsene. Die kann man auch vorbeugend einnehmen. Oder eben klassische Präparate, aus verschiedenen Darmbakterien zusammengesetzt, die dabei helfen, die Darmflora schnell wieder aufzubauen.
Ist man jetzt in einem Land unterwegs mit sehr hohen Temperaturen, wo natürlich auch häufig ungewohnte Keime unterwegs sind, das heißt, Magen-Darm-Verstimmungen häufig sind, wäre es sinnvoll, noch Elektrolytpräparate mitzunehmen, die man mit Wasser schnell zubereiten kann, um eben diesen Flüssigkeitsverlust auszugleichen.
Mario D. Richardt: Und da natürlich im besten Fall mit Wasser aus einer Flasche und nicht aus dem Wasserhahn.
Dr. Nina Unger: Ganz genau. Aus einer sicheren Quelle.
Tipps für Reisen in tropische Regionen (4:41)
Mario D. Richardt: Ja. Und jetzt hast du ja sozusagen schon gesagt: wenn es ein bisschen wärmer ist, da meinst du mit Sicherheit auch so die tropischen, entlegenen Regionen. Was sollte da auf keinen Fall in der Reiseapotheke fehlen, wenn man dahin fliegt?
Dr. Nina Unger: Das erste, was mir dazu einfällt, ist, dass in Tropenregionen bestimmte Erkrankungen sich durch Fieber ankündigen. Deshalb würde ich hier zu einem Fieberthermometer greifen. Und hier auch noch mal betonen: lieber das Paracetamol an Stelle von Ibuprofen oder ASS. Generell bei Reisen in tropische Gebiete steht natürlich wirklich auch wieder hier die Magen-Darm-Verstimmung im Vordergrund.
Was mir noch persönlich dazu einfällt ist Wundversorgung, also gerade in tropischen Gebieten. Wundheilungsfördernde Gele gibt es in der Apotheke zu kaufen. Auch hier macht es Sinn, diese mitzunehmen.
Auch sehr sehr großes Thema: Insektenschutz. Mückenschutzpräparate – hier können Sie sich in der Apotheke beraten lassen. Es gibt verschiedene Stufen, also von intensiv bis mildere Präparate, je nachdem, wie stark der Schutz ist, den Sie benötigen. Und hier natürlich auch an Antiallergika denken: entweder als Gelbasis zum Auftragen auf die Haut oder in der Tablettenform bei Personen, die eben stärker zu Quaddelbildung neigen und wo die allergische Reaktion insgesamt stärker ausgeprägt ist. Dann kann man nämlich einmal lokal und auch auf systemischer Basis da angreifen.
Mario D. Richardt: Und grundsätzlich mit Sicherheit auch sehr sehr wichtig, gerade wenn es in den Tropen geht – aber auch in den Mittelmeerregion: auch der Sonnenschutz ist obligatorisch.
Dr. Nina Unger: Absolut! Die Haut merkt jeden Sonnenbrand. Hier kann ich auch unbedingt dazu raten, ausreichend Sonnenschutz mitzunehmen. Nicht, dass sie dann im Hotelshop die böse Überraschung erleben und 20 € pro Flasche zahlen müssen. Auch das habe ich persönlich schon mal erlebt. Denken Sie daran, für Kinder Lichtschutzfaktor 50 einzupacken und für Erwachsene ist auch eben, je nach Region, ab 30 bis 50 anzuraten, je nach Hautsensitivität.
Mario D. Richardt: Was würdest du grundsätzlich beim Sonnenschutz empfehlen? Eher die physischen Sonnenschutzcremes oder die chemischen?
Dr. Nina Unger: Das kann ich pauschal gar nicht so beantworten.
Mario D. Richardt: Wie man es mag?
Dr. Nina Unger: Genau, wie man es mag. Lassen Sie sich da nach ihren persönlichen Vorlieben in der Apotheke beraten. Da spielen Faktoren eine Rolle wie: ob es ein Badeurlaub ist, wie häufig sie sich eincremen, … Da gibt es so viele verschiedene Präparate auf dem Markt. Mit einer entsprechenden individuellen Beratung bekommen sie das beste Präparat für sich.
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Mario D. Richardt: Und wahrscheinlich sollte man auch immer gut gewappnet sein – so mache ich das in meinen Urlauben – für den Fall, dass es doch mal zu einem kleinen Sonnenbrand kommen sollte, dass man auch für dann Mittelchen zur Hand hat, Cremes und Salben zur Hand hat, die das Ganze so ein bisschen abmildern.
Dr. Nina Unger: Dazu zählen in jedem Fall typische Après-Sun-Produkte. Aber hier noch ein Tipp: es gibt das sogenannte Fenistil Gel, was man bei Mückenstichen auftragen kann. Das ist ein Gel, man kann es auch im Kühlschrank aufbewahren, auch das hilft bei leichten Sonnenbränden, kühlt die Haut und nimmt das Spannungsgefühl. Weil auch bei einem Sonnenbrand die Haut allergisch reagieren kann. Hier hilft eben das Fenistil, weil es eine antiallergische Wirkung in erster Linie hat.
Medikamente im Ausland – Mitnahme und Bescheinigung (8:02)
Mario D. Richardt: Um noch mal auf die klassischen Medikamente zurückzukommen: Kann ich denn einfach alles in alle Länder mitnehmen, oder muss ich irgendwas beachten?
Dr. Nina Unger: Hier sollte man sich in jedem Fall im Vorfeld informieren, z. B. beim Auswärtigen Amt, welche Medikamente in welcher Form mitgenommen werden können. Ich sag mal, die Medikamente für den eigenen Bedarf, rezeptpflichtig, nicht Betäubungsmittel, oder die nicht dem Betäubungsmittelgesetz unterliegen, können mitgenommen werden. Ich würde in jedem Fall dazu raten, diese im Handgepäck mitzunehmen, um eben einem eventuellen Verlust vorzubeugen.
Denken Sie dran, in anderen Ländern haben wir andere Sitten, andere Arzneimittelgesetze, andere Präparate, sodass man wirklich nur empfehlen kann, sich ausreichend an Medikamenten mitzunehmen. Bei so klassischen Medikamenten wie Kopfschmerztabletten, Insulinpräparaten sogar oder bei Medikamenten gegen Herzerkrankungen, da können Sie diese bedenkenlos mitnehmen. Wie gesagt, aufpassen sollte man bei Medikamenten, die dem Betäubungsmittelgesetz unterliegen oder eben besonderer ärztlicher Aufsicht. Dazu zählen z. B. einige stärker wirksame Schlafmittel.
Mario D. Richardt: Wäre es denn ratsam, sich vorher mal mit dem Arzt abzusprechen, ob es vielleicht eine Art Medikationsplan gibt, um dann im Fall des Falles auch nachweisen zu können, dass man wirklich diese Medikamente braucht?
Dr. Nina Unger: Das ist eine sehr elegante Möglichkeit, den Medikationsplan ausdrucken zu lassen. Das können Sie entweder über Ihren Hausarzt oder über Ihre sogenannte Stammapotheke. Diesen mitnehmen. Ein Medikationsplan an sich ist jetzt noch keine Legitimation für die Mitnahme der Medikamente. Hier würde ich bei bestimmten Medikamenten auf Nummer sicher gehen und vom Arzt eine Bescheinigung ausstellen lassen.
Da gibt es Formulare, die kann der Arzt ausfüllen, und das ist dann auch ein international anerkanntes Dokument, welches Sie mitnehmen können. Das eben belegt, wofür, mit welcher Indikation und mit welcher Dosierung Sie welches Medikament von welchem Arzt verschrieben bekommen haben.
Mario D. Richardt: Und wenn wir jetzt über nicht verschreibungspflichtige Medikamente sprechen: Die könnte man sich ja theoretisch einfach auch vor Ort in Apotheke kaufen, oder würdest du eher davon abraten?
Dr. Nina Unger: Nein, also aus Arzneimittelqualitäts-Sicht würde ich nicht davon abraten. Ich stelle es mir tatsächlich eher in der Praxis schwierig vor, als Laie sich da zurechtzufinden. Weil die Präparate heißen in anderen Ländern anders. Sie werden vielleicht Kommunikationsschwierigkeiten haben, in der Apotheke zu sagen, was Sie möchten.
Und dann muss ich noch zu bedenken geben: Sie sind im Urlaub, Sie sind unterwegs, Sie machen eine Reise, Sie sind vielleicht auch gerade irgendwo, wo sie nicht die Apotheke um die Ecke haben. Es ist in jedem Fall clever, sich selbst auszustatten mit den Präparaten, die man kennt, wo man über die Dosierung Bescheid weiß, wo man im Zweifelsfall die Packungsbeilage dabei hat oder man kann diese googeln.
Heutzutage sind alle Packungsbeilagen von jedem Hersteller online einfach einsehbar. Hier könnten Sie sich also auch informieren und sind in jedem Fall auf der sicheren Seite.
Mario D. Richardt: Sonst beginnt es große Rätselraten, was man da überhaupt und in welcher Menge man einnehmen muss. Nach einer ganz kurzen Unterbrechung machen wir genau an dieser Stelle weiter.
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Reiseapotheke für chronisch Kranke (12:13)
Mario D. Richardt: Weiter geht’s mit Dr. Nina Unger. Wir sprechen heute über die Reiseapotheke. Was würdest du denn chronisch kranken Menschen raten, die in den Urlaub fahren? Meistens ist es ja nicht nur eine Woche, sondern sogar zwei Wochen oder manche haben sogar drei Wochen Urlaub. Wie können sich chronisch kranke Menschen organisieren, dass da nichts schiefgeht?
Dr. Nina Unger: Ich würde sagen, zunächst einmal sind chronisch kranke Menschen ihre eigenen Experten für ihre Erkrankung. Man muss sich Gedanken machen, welche Präparate man mitnimmt und ob man beispielsweise eine geeignete Lagerungsmöglichkeit hat. Zum Beispiel ein Patient mit Diabetes braucht ein Insulin, welches gekühlt werden muss und welches nicht Temperaturen über 25° ausgesetzt werden sollte.
Man sollte sich schon mit seinen Medikamenten auseinandersetzen und idealerweise einmal mit Personal aus der Apotheke sprechen und prüfen, ob es für die Reise geeignet ist und ob ich irgendwelche Vorkehrungen treffen muss. Habe ich eine Kühltasche? Wie transportiere ich das Medikament? Und ob ich gegebenenfalls vom Arzt eine Bescheinigung brauche, weil es ein spezielles Medikament ist, was eben bestimmten Regelungen unterliegt. Es ist clever, sich vorher abzusichern und vorbereitet zu sein. Das ist schon die halbe Miete.
Mario D. Richardt: Damit es keine böse Überraschung gibt. Denn was mache ich denn, wenn ich darauf angewiesen bin, dass ich Medikamente habe, die ich immer zur selben Uhrzeit nehmen muss? Muss ich dann tatsächlich erstmal großartig rechnen? Zum Beispiel nach Amerika sind ja auch ich glaube 6 Stunden Zeitverschiebung oder so – muss ich immer umrechnen? Oder reicht es, wenn ich einfach die Zeit vor Ort dann nehme für mich und das stellt sich dann sozusagen im Körper automatisch um?
Dr. Nina Unger: Das ist eine ganz ganz spannende Frage. Tatsächlich betrifft das das Feld der „Pharmakokinetik“, einem ganz spannenden Feld in der Pharmazie. Es kommt drauf an. Wenn man jetzt z. B. Medikamente nimmt, die den Blutdruck senken. Man nimmt diese Medikamente morgens ein und dann hat man eine Zeitverschiebung und dann ist es auf einmal Abend. In diesem Fall hätten wir das Problem, dass eben diese Diuretika, also Wassertabletten auch im Volksmund genannt, dann zur Nacht eingenommen werden und das könnte dazu führen, dass man vermehrt auf die Toilette muss. Das möchte man vermeiden.
Ich würde sagen, auch hier muss man sich damit beschäftigen, wofür nehme ich das Medikament? Man kann pauschal sagen: Wenn ich meinen Tagesrhythmus beibehalte, ist es nicht so schlimm, wenn die Lücke zwischen der Medikamenteneinnahme mal länger ausfällt. Man muss dran denken, dass die Regelmäßigkeit im Vordergrund steht. Wenn es mir leichtfällt, meine Routine beizubehalten, sodass ich mein Medikament immer morgens nach dem Zähneputzen nehme, dann nehme ich das auch im Urlaub weiterhin jeden Morgen nach dem Zähneputzen.
Ausnahme ist z. B. bei der Diabetesbehandlung, wenn ich Insulin spritzen muss. Hier wäre es ratsam, mit dem Arzt vorher abzusprechen, wie man das macht. Beispielsweise beim Basalinsulin, um hier zu gucken: Wie kann ich gewährleisten, dass meine Therapie nicht unterbrochen wird? Weil es nämlich relevant ist, dass sie eben nicht unterbrochen wird. Bei anderen Medikamenten, wie ich vorhin schon gesagt habe, wäre das eher weniger problematisch.
Mario D. Richardt: Und gerade im Urlaub ist es ja häufig so, dass man völlig aus der Routine des Alltags herausgenommen ist, weil man sich halt doch mal ein bisschen entspannt, wenn man ein bisschen Zeit hat. Da vergisst man ja auch schnell mal die Tabletteneinnahme – was macht man da? Wenn ich jetzt morgens immer meine Tablette nehme und merke abends, ups, ich habe es jetzt morgens doch nicht genommen. Soll ich sie dann abends nehmen oder am nächsten Morgen?
Dr. Nina Unger: Hier hilft der Blick in die Packungsbeilage. Dort ist es beschrieben, was zu tun ist, wenn die Tabletteneinnahme vergessen worden ist. Hintergrund ist der: es gibt manchmal Zeitfenster, in den man sagen kann, okay, wenn man innerhalb von 5 Stunden – das ist jetzt rein fiktiv, nur als Beispiel – wenn man innerhalb von 5 Stunden die Medikamenteneinnahme vergessen hat, dann kann ich sie nachholen. Ist der Zeitraum länger, dann ist es nicht mehr möglich. Das heißt, ein Blick in die Packungsbeilage lohnt sich.
Lagerung und Haltbarkeit von Medikamenten unterwegs (16:20)
Mario D. Richardt: Wie sollte man am besten die Reiseapotheke aufbewahren? Jetzt denken wir z. B. wirklich mal: Ich fahre nach Griechenland und es ist sehr warm, Sommer 35 bis 40° – im schlimmsten oder im besten Fall, je nachdem, wie man es mag. Einfach unter das Bett, ins Badezimmer? Wo packt man es hin, damit die Medikamente keinen Schaden nehmen?
Dr. Nina Unger: Die Medikamente werden im Allgemeinen bei unter 25° gelagert. Das ist die allgemeine Vorgabe, die z. B. auch alle Apotheken einhalten müssen. Wenn Sie in einem klimatisierten Hotelzimmer sind, bei dem die Temperatur 25° nicht übersteigt…
Mario D. Richardt: …dann ist es kein Problem…
Dr. Nina Unger: …dann ist das kein Problem. Wie gesagt, Ausnahmen sind eben Präparate, die im Kühlschrank gelagert werden müssen. Da müsste man sich im Vorfeld informieren: Habe ich eine Kühlmöglichkeit gegeben?
Mario D. Richardt: Und grundsätzlich alle Medikamente in den Kühlschrank stellen?
Dr. Nina Unger: Davon würde ich abraten. Es gibt verschiedene Formulierungen, die bei kalten Temperaturen zu Qualitätseinbußen führen können. Das heißt, Kühlschrank pauschal ist keine gute Idee. Ich kann Ihnen auch ein Beispiel geben: die Antibiotikasäfte. Da finden Sie verschiedene Präparate, auf manchen steht, es soll im Kühlschrank gelagert werden, auf manchen steht es nicht mehr.
Das Problem mit der Kühlschranklagerung ist, dass es sich um Suspensionen handelt, die bei Kühlschranklagerung eher dazu führen, dass sich die festen Partikel in der Suspension am Boden absetzen. Und dann hat man den sogenannten „Caking-Effekt“. Das heißt, es ist schwieriger und man muss sehr intensiv schütteln, um diese Suspension wieder zu homogenisieren.
Der Hintergrund ist – ich möchte gar nicht mit so vielen Fachbegriffen hier reingehen – der Hintergrund ist: Wir möchten eine Lösung bzw. eine Suspension haben, indem der Wirkstoff gleichmäßig verteilt ist. Wenn dieser jetzt durch eine Kühlschranklagerung und nicht ausreichendes Schütteln zu so festen Partikeln geführt hat, dann können Sie eben die Dosiergenauigkeit gar nicht mehr garantieren. Und deshalb sage ich: Es ist keine gute Idee, pauschal Medikamente einfach in den Kühlschrank zu tun.
Mario D. Richardt: Nun ist es so, dass oftmals die Reiseapotheke ja tatsächlich die Reiseapotheke ist und man vielleicht auf die Medikamente, die drin sind, gar nicht zu Hause zurückgreift. Sondern man hat sein Täschchen, das nimmt man immer mit, wenn man in den Urlaub fährt. Wie oft sollte man das auffrischen? Ist es ein großes Problem, wenn ich eben doch mal eine Kopfschmerztablette nehme, die schon ein Jahr drüber ist?
Dr. Nina Unger: Also die offizielle Antwort ist natürlich: Das kann man nicht empfehlen, ein Medikament einzunehmen, wo die Haltbarkeitszeit überschritten ist. Deshalb überprüfen Sie vor Abfahrt Ihre Reiseapotheke und decken Sie sich neu ein.
Mario D. Richardt: Also am besten einmal im Jahr checken oder zumindest vor dem Urlaub immer checken, ob alles noch okay ist.
Dr. Nina Unger: Vor der Reise macht es Sinn, zu checken, ob alles noch haltbar ist.
Mario D. Richardt: Dann danke ich ganz herzlich Dr. Nina Unger für diesen kompakten Überblick rund um die Reiseapotheke.
Dr. Nina Unger: Ganz herzlichen Dank für die Einladung!
Mario D. Richardt: Und Ihnen, liebe Hörerinnen und Hörer, wünsche ich einen gesunden, entspannten Urlaub mit einer gut gepackten Reiseapotheke. Alle Informationen zu dieser Folge und weitere spannende Gesundheitsthemen finden Sie wie immer auf kernig-und-gesund.de. In der nächsten Folge, der hundertsten Folge, geht es dann um positives Mindset. Wenn Ihnen der Podcast gefällt, dann freue ich mich über ein Abo oder über eine Bewertung. Bleiben Sie reisefreudig und gesund – tschüss.
Das war „kernig & gesund“ – präsentiert von apodiscounter.
Hier gibt’s was auf die Ohren
In unserem Podcast spricht Moderator Mario D. Richardt mit Experten und Expertinnen über aktuelle Gesundheitsthemen.

