Wechseljahre | Podcast Folge 108

Wechseljahre

In dieser Folge von „kernig & gesund“ spricht Mario D. Richardt mit Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe Dr. Katharina Bauer über die Wechseljahre – eine Lebensphase voller körperlicher und emotionaler Veränderungen. Was passiert im Körper? Welche Symptome können auftreten und wie lassen sie sich lindern? Und welche medizinischen Möglichkeiten gibt es? Antworten, Tipps und Orientierung gibt’s im Gespräch mit unserer Expertin.

Expertin: Dr. med. Katharina Bauer, Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Kinderwunschzentrum Praxisklinik City Leipzig

Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe

Dr. Katharina Bauer

Dr. med. Katharina Bauer promovierte auf dem Gebiet der Psychosomatischen Frauenheilkunde. Die Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe absolvierte unter anderem eine Weiterbildung für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin. Dr. Bauer ist Gründungsmitglied des des Kinderwunschzentrums Praxisklinik City Leipzig.

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Wechseljahre Symptome erkennen

Wechseljahre – Tipps für die neue Lebensphase

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Einen schönen guten Tag zu einer brandneuen Folge „kernig & gesund“. Ich bin Mario D. Richardt und spreche alle zwei Wochen in diesem Podcast mit Expertinnen und Experten über ein Gesundheitsthema. Heute im Fokus – die Wechseljahre.

„kernig & gesund“ – der Gesundheitspodcast, präsentiert von apodiscounter – die Apotheke für alle.

Mario D. Richardt: Heute im Fokus: die Wechseljahre. In dieser Folge geht es um ein Lebenskapitel, das jede Frau früher oder später betrifft, die Wechseljahre. Viele erleben sie als große Umstellung, körperlich wie emotional. Was in dieser Zeit im Körper passiert, wie man Symptome lindert und was medizinisch möglich ist, bespreche ich heute mit Dr. Katharina Bauer. Sie ist Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Kinderwunschzentrum Praxis Klinik City Leipzig. Schönen guten Tag, Frau Dr. Bauer.

Dr. Katharina Bauer: Schönen guten Tag, Herr Richardt.

Was genau versteht man unter den Wechseljahren? (00:51)

Mario D. Richardt: Schön, dass Sie wieder Zeit für uns haben. Was genau versteht man denn unter Wechseljahren?

Dr. Katharina Bauer: Die Wechseljahre sind ein vollkommen natürlicher Prozess in dem Leben von uns Frauen, der sozusagen einen hormonellen Wechsel anzeigt. Wir haben eine Zeit der Geschlechtsreifenphase in der Zeit, wo Eisprünge stattfinden, wo die Regelblutung stattfindet, wo wir Kinder bekommen können, Empfängnisbereit sind.

Und diese Zeit ist jeder Frau nur für eine gewisse Lebensphase gegeben und dann stellen die Eierstücke zu einem bestimmten Zeitpunkt ihre Funktion ein. Das heißt, die Eibläschen sind nicht mehr da, sie haben sich abgebaut, vertrocknen, sind am Ende und die Regelblutung sozusagen versiegt. Und das ist die Zeit der Wechseljahre.

Aber es ist für jede Frau genetisch vorprogrammiert, wann diese Phase kommt, ne? Es gibt also Frauen, die kommen sehr spät in die Wechseljahre, manchmal erst bis Mitte mit Mitte 50 und später und andere aber wieder schon ab dem 40. Lebensjahr.

Mario D. Richardt: Also typisch ist es so zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr?

Dr. Katharina Bauer: Richtig, das ist typisch zwischen dem 40. 50. Lebensjahr. Man muss aber auch sagen, dass diese Wechseljahre einen langen Zeitraum umfassen können, also 5 bis 10 Jahre. In der Anfangszeit dieser Wechseljahre kann es immer noch Phasen geben, wo mal noch ein Eibläschen wächst in großen Abständen von drei bis vier Monaten und dann immer noch mal wieder die Periode auftreten kann.

Aber irgendwann ist dann der Punkt, wo sie gar nicht mehr kommt und das nennt man dann richtig die Menopause. Und wenn ein Jahr nach der letzten Regelblutung vergangen ist, nennt man das Postmenopause. Dann sind also die Wechseljahre unwiederbringlich und auch am Ende.

Vorzeitige Menopause & Kinderwunsch (02:26)

Mario D. Richardt: Ab wann spricht man denn von der vorzeitigen Menopause? Also, wenn es dann vor dem 40. Lebensjahr ist?

Dr. Katharina Bauer: Richtig. Das ist gar nicht sind gar nicht so wenig Patientinnen. Das erlebe ich, weil ich in einer Kinderwunschpraxis tätig bin, wo ich Patientinnen habe, die auch so um das 40. Lebensjahr oder auch manchmal bis Mitte 40 kommen und dann aber teilweise schon keinerlei Eierstocksfunktion mehr haben, wo praktisch kein Zyklus mehr abläuft, wo die Eibläschenreserve im Prinzip am Ende ist, wo auch teilweise zu frühzeitig die Wechseljahre eingetreten sind.

Das kann verschiedene Ursachen haben, das kann teilweise so programmiert sein in der Patientin. Ich sage mal, sie müssen bitte auch ihre Mutter mal fragen, ob sie auch sehr frühzeitig ihre Regelblutung verloren hat. Oder aber auch es sind Autoimmunerkrankungen oder Schilddrüsenerkrankungen oder gewisse Dinge, die sozusagen direkt auf der Genstruktur der Patientin liegen.

Mario D. Richardt: Also es kann auch erblich bedingt sein?

Dr. Katharina Bauer: Absolut! Man sollte das auch unbedingt nachweisen. Wenn die Patientinnen kommen und sage ich jetzt mal unter 40 sind oder Mitte 30 und schon keinen Zyklus mehr haben, dann können es teilweise genetische Fehler sein, die sie ererbt haben von ihren Eltern, die aber bedeuten, auch mit anderen Krankheiten verknüpft zu sein. Also wir forschen dann auch nach, ob solche genetischen Fehler nachweisbar sind. Durch Blutanalysen kann man das herausfinden.

Mario D. Richardt: Kann Frau denn noch während der Wechseljahre schwanger werden?

Dr. Katharina Bauer: Diese kleinen Wunder gibt es immer wieder. Sind aber ein bisschen was aus dem Raritätenkabinett. Aber es könnte sein, dass z. B. eine Patientin mit 45 einfach noch mal einen heimlichen Eisprung hat, so nenne ich es jetzt mal. Und doch am richtigen Tag Verkehr hatte und schwanger wird und auch noch ein Kindchen austragen kann.

Aber es gibt sehr viele Studien darüber, dass es zwar zur Schwangerschaft noch mal kommen kann, dass aber die Lebendgeburt eines gesunden Kindes sehr sehr sehr selten ist. Also das ist dann, wie ich schon sagte, wirklich Raritätenkabinett ein bisschen.

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Mario D. Richardt: Sie sprachen von den 10 Jahren so zwischen 40. und 50. Lebensjahr. Wie lange dauert denn die Umstellungsphase so im Schnitt?

Dr. Katharina Bauer: Diese Umstellungsphase im Schnitt dauert letztendlich 3 bis 4 Jahre und die erheblichsten Beschwerden, also körperliche Beschwerden, die die Patientinnen haben, sind in dieser Vorphase. Da gibt’s einen Begriff dafür, das heißt Prämenenopause, also vor der Menopause, da schlagen die Hormone Purzelbäume. Es gibt teilweise zu viel Progesteron, zu wenig Progesteron, Gelbkörperhormon. Und die Frauen fühlen sich zu voll mit den Hormonen mit Wassereinlagerung, mit Hitzewallung, mit Schlafstörung und dann wieder sozusagen zu wenig mit trockener Haut und trockenen Schleimhäuten.

Also, es gibt die verschiedensten Symptome, die einfach durch dieses hormonelle Durcheinander passieren. Wenn aber dann die Wechseljahre richtig eingetreten sind, wenn dann richtig sozusagen Ruhe ist für mehrere Monate, dann bauen sich diese Beschwerden schrittweise wieder ab. Also die Hauptbeschwerden haben die Frauen wirklich in dieser Vorphase zu Beginn der Wechseljahre.

Erste Anzeichen & typische Wechseljahresbeschwerden (05:11)

Mario D. Richardt: Das sind dann die ersten Anzeichen dafür?

Dr. Katharina Bauer: Richtig. Ein wichtiges erstes Anzeichen ist z. B. dass der Regelzyklus sich verkürzt. Der Regelzyklus ist ja normalerweise nur 28 Tage und die Patientinnen sagen dann: „Oh, der ist jetzt alle drei Wochen oder alle zwei Wochen. Ich habe unglaublich häufig die Regelblutung wie in so einem Schnelldurchlauf.“ Und das ist wie so, ich sage immer, wie so eine Endzeitstimmung des Zyklus, der es noch mal zeigen will mit der Hypophyse, ich kann was schaffen und dann ist aber Sense, dann hört’s ganz auf.

Mario D. Richardt: Wie lange macht der Körper das denn in der Regel, dass es so die verkürzten Zyklen hat?

Dr. Katharina Bauer: Also das erlebe ich teilweise schon, muss ich sagen, schon bei unseren Kinderwunschpatienten. Ich frage ja immer nach den ganzen Modalitäten des Zyklus, wenn der sich schon so sehr verkürzt darstellt, muss man unbedingt diese Hormonabklärung machen. Man kann durch eine Blutanalyse herausfinden, ob teilweise Hormone der Hirnanhangsdrüse diese Wechseljahreszeit schon anzeigen.

Und wenn dann diese bestimmten Hormone der Hirnanhangsdrüse erhöht sind, dann kann man im Prinzip fast ein bisschen ausrechnen, wie lange die Regelblutung überhaupt noch kommen will. Meistens nur noch zwei bis drei Jahre. Und das ist dann auch wirklich noch die Zeit, wo die Patienten vielleicht noch versuchen können, den Kinderwunsch zu realisieren, denn danach wird es nicht mehr funktionieren.

Mario D. Richardt: Welche Beschwerden treten denn am häufigsten auf und welche treten auf, aber sind doch eher selten?

Hitzewallungen & Schlafstörungen (06:25)

Dr. Katharina Bauer: Die häufigsten Beschwerden, das kennt man sicherlich auch aus Boulevardzeitschriften, unter uns, sind eigentlich Hitzewallung und Schlafstörung. Die sind auch sehr lebensbeeinträchtigend, muss man sagen. Man kann sich das vorstellen, wenn man mehrere Wochen nicht richtig schlafen kann, aus bestimmten medizinischen Gründen ist man vollkommen am Tag nicht zu gebrauchen und schafft seinen Alltag einfach nicht.

Und diese vasomotorischen Beschwerden, so nennen wir das, entstehen, weil die Hormone eine Fehlermeldung im Gehirn machen. Unser Hormonzyklus wird ja gesteuert von der Hirnanhangsdrüse und vom übergeordneten Zentrum Hypothalamus (Hirnanhangsdrüse). Und da passiert ein Durcheinander in diesen Wechseljahren und der Temperaturfühler verändert sich, das ist ganz interessant. Und deswegen kommt ein anderes Temperaturempfinden, dieses häufige Schwitzen und diese Hitzewallung zustande.

Auch Gefäßerweiterung, Blutdrucksteigerung, so dass einfach der Körper sich damit kurzzeitig auseinandersetzen muss. Es sind aber nur kurzzeitige Hitzewallungen, also hoch wieder runter und dann beruhigt sich das wieder.

Mario D. Richardt: Frau Dr. Bauer, jetzt sprechen Sie hier mit einem Mann.

Dr. Katharina Bauer: Ja, ist richtig.

Mario D. Richardt: Ja, genau. Ich kann mir es also schwer vorstellen. Hitzewallungen heißt also, wenn Sie sagen, hoch und runter, es wird einem heiß, der Frau wird heiß, sie kriegt Schweißausbrüche und das ist dann für ein Ablauf von einer Stunde oder wie muss man sich das vorstellen?

Dr. Katharina Bauer: Eigentlich nur für 5 Minuten. Man nennt das jetzt mit Fachbegriff Hot Flushes. Also z. B. wir sitzen hier miteinander und unterhalten uns und auf einmal steigt eine Hitzewelle sozusagen vom Boden bis zum Kopf auf und schwillt wieder ab und einmal Schweißausbruch und klitschnass. Und das ist eben sehr sehr unangenehm, wenn das so im Alltag passiert oder während der Arbeit.

Mario D. Richardt: Also dafür gibt’s keinen konkreten Auslöser?! Einfach so zack, da ist es?

Dr. Katharina Bauer: Einfach zack, da ist es. Wie gesagt auch da kann man nachlesen, das ist auch schwer wissenschaftlich zu beschreiben, warum das so plötzlich passiert. Also, man sagt Gefäßerweiterung, Blutdruck steigt ganz kurz an und geht aber dann wieder runter und dann hat man einmal diese Hitzewallung. Aber man muss ganz ehrlich sagen, das muss man als Frau nicht aushalten und dafür gibt’s eben wirklich auch Behandlungsmöglichkeiten. Man sollte sich nicht quälen durch diese Zeit.

Man kann sehr diffizil diesen kleinen Hormonmangel, der am Anfang als kleiner Hormonmangel besteht und sich natürlich dann so ausweitet, dass die Hormone dann ganz sich runterfahren auf den Nullpunkt, kann man ganz mild ausgleichen mit Medikamenten auch. Das ist auch wichtig. Also, da müssen die Frauen wirklich gut beraten werden. Werden oft nicht ganz so gut beraten bei diesem Problem.

Mario D. Richardt: Woran liegt das?

Hormonersatztherapie – Chancen & Vorurteile (08:40)

Dr. Katharina Bauer: Ist eine Zeitfrage. Ich sag mal in unserer normalen, im Praxisalltag, die sprechende Medizin wird ja auch gar nicht unterstützt, nicht vergütet und es ist oft auch in der normalen Gyn-Sprechstunde eine schnelle Abfertigung der notwendigen Dinge wie Vorsorge und da ist manchmal gar kein Platz. Diese Zeit sage ich mal sich zu nehmen, das auch mal genauer zu besprechen.

Ich bin ein großer Verfechter der Hormonersatztherapie, das ist immer ja so ein bisschen heißes Thema Hormonersatztherapie, aber es hat zu gewissen Zeitpunkten im Leben einer Frau einen ganz wichtigen Stellenwert. Und es ist auch überhaupt nicht schädlich.

Dieser ganze negative Touch der Hormonersatztherapie, der in den 2000er Jahren durch die Literatur ging, ist widerlegt worden. Man hatte Studien in Amerika gemacht, dass Frauen, die Hormonersatztherapie nehmen, verstärkt Krebserkrankung haben und und und… aber man hat zum Schluss das alles revidiert, denn man hatte einen Patientenklientel genommen, die generell mehr Tendenzen zu einer Krebserkrankung hatten. Es waren adipöse Frauen aus Amerika und man hatte das gar nicht sozusagen so richtig ausgewertet.

Und deswegen muss man immer wieder plädieren für die Hormonersatztherapie in dieser heftigen Zeit dieser Anfangswechseljahre. Nicht unglaublich lange, man muss nicht für 20 Jahre Hormonersatztherapie nehmen, aber für die Zeit dieser Beschwerden sollte man etwas machen.

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Mario D. Richardt: Da ist es dann sehr hilfreich und man kann dann diese Hitzewallungen auch komplett eindämmen?

Dr. Katharina Bauer: So ist es. Das kann man ganz fein austarieren. Ich meine, die Medikamente sind immer besser geworden. Es gab vor 20 Jahren, da war ich auch schon als auch Endokrinologin tätig, gab es Medikamente mit sehr hohen Hormondosierungen, die so bisschen mit Fragezeichen versehen waren und die gibt es aber nicht mehr. Es ist immer weiter die Tendenz gegangen zu bioidentischen Hormonen, zu einer sehr leichten Hormontherapie, dass man sagt, nur so viel wie nötig und nicht zu viel.

Und auch sehr schön die Applikationsform, die transmale Hormontherapie. Also dass man es als Lotion auf die Haut aufträgt, dass es nicht über den Magen-Darm-Trakt, nicht über die Leberpassage laufen muss, sondern wirklich direkt resorbiert wird über die Haut und damit sehr kleine Mengen von dem Hormon, von dem Östrogen, genommen werden können.

Mario D. Richardt: Dann sind die Hitzewallungen also ja, ich würde sagen, so wie Sie es auch beschreiben, die Beschwerden, die die Frauen am meisten belasten?

Dr. Katharina Bauer: Natürlich die Hitzewallung, wie gesagt, und die Schlafstörungen. Schlafstörungen entstehen ja übrigens dadurch, dass man nachts auch mal so eine Hitzewallung hat. Also man liegt im Bett und hat diese Hitzewallung und man wird wach und ist klitschnass geschwitzt und muss einmal die Bettwäsche und die Nachtwäsche wechseln und damit ist der Nachtschlaf einfach gestört. So ist das auch ein bisschen zu erklären. Also Hauptproblem Hitzewallung auch nachts und dadurch die Schlafstörung.

Mario D. Richardt: Wie häufig muss man sich das vorstellen?

Dr. Katharina Bauer: Einmal nachts, zweimal nachts, also so häufig auch wieder nicht. Aber klar, es reicht manchmal ein- bis zweimal nachts wach zu sein und schon kommt man nicht mehr in den richtigen Schlafrhythmus rein. Man liegt dann klatschnass da und die Nacht ist gelaufen sozusagen.

Weitere Symptome in den Wechseljahren (11:24)

Mario D. Richardt: Was sind noch weitere Symptome mit den Frauen zu kämpfen haben in den Wechseljahren?

Dr. Katharina Bauer: Wichtige Symptome, die wir noch mit hier benennen müssen, manchmal auch bisschen Tabuthema sind, aber ich spreche es mal an: Es sind z.B. trockene Schleimhäute, dass eben auch der Geschlechtsverkehr unangenehmer wird, schmerzhafter ist, manchmal auch das Fahrradfahren schmerzhafter ist, weil einfach die Haut im Genitalbereich, im Scheidenbereich dünner wird wie Pergament und dann schnell einreißt.

Und das ist natürlich dann auch manchmal so eine Gedankenspirale von den Patienten, dass sie sagen, oh, das hat jetzt weh getan beim letzten Mal. Jetzt habe ich auch gar keine Lust mehr, also ein Libidoverlust. Manchmal auch vielleicht ein hormoneller Libidoverlust, weil einfach diese Hormone nicht mehr so produziert werden, die auch unsere Sexualität mit anregen. So muss man es auch sagen.

Also, das muss man gut auch in Partnerschaften besprechen. Das ist ganz wichtig. Trockene Augen z. B. auch so ein Thema. Überall haben wir Schleimhäute. Auch das ist ein Östrogenmangelsymptom, dass die Augen trockener werden. Da gibt’s aber auch schon viele Unterstützung auch aus der Apotheke, dass man da Schleimhäute befeuchten kann. Und auch für den Genitalbereich gibt es sehr exzellente Medikamente, die nur dort wirken und einfach diese Situation in der Wechseljahreszeit erleichtern können.

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Wechseljahre

Mario D. Richardt: Also, es gibt auf jeden Fall Hilfe.

Dr. Katharina Bauer: Auf jeden Fall. Ich kann nur die Patientinnen motivieren, es bei ihrem Arzt / ihrer Ärztin anzusprechen, damit sie auch Hilfe bekommen. Also, sie müssen sich nicht da alleingelassen fühlen, sondern sprechen sie es wirklich an. Das ist einfach wichtig.

Mario D. Richardt: Trotzdem muss man sagen, es gibt ja auch rund ein Drittel der Frauen, die gar keine Probleme dabei haben. Kann man es irgendwie beeinflussen oder ist es einfach nur Glück?

Dr. Katharina Bauer: Vielleicht manchmal ein bisschen Glück, aber vielleicht sind das auch Patientinnen, die, ich sag’s mal vorsichtig, das denke ich, anders im Leben stehen. Also, die vielleicht so in ihrem Alltag eingebunden sind, vielleicht dazu noch sehr sportlich sind, sehr viel aktiven Ausgleich haben, dass sie es gar nicht in dem Sinne so zulassen, dass diese Wechseljahresbeschwerden so arg kommen.

Was ja interessant ist, das ist in Literatur zu finden, dass z. B. Asiatinnen, asiatische Frauen, kaum Wechseljahresbeschwerden haben. Das finde ich sehr interessant. Könnte man noch mal bisschen die Brücke schlagen zur Ernährung. Vielleicht doch in eine andere, sehr stark pflanzliche Ernährung haben, wie wir vielleicht Europäer oder Deutsche nicht ganz so haben. Dass auch dieser Ernährungsaspekt noch mal ein wichtiger Aspekt ist, diese Beschwerden mit sozusagen zu beeinflussen. Das ist ganz interessant. Asiatinnen haben wirklich kaum Wechseljahresbeschwerden.

Mario D. Richardt: Frau Dr. Bauer, wir machen eine ganz kurze Unterbrechung und danach geht’s gleich weiter.

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Gesundheitliche Risiken der Wechseljahre (14:30)

Mario D. Richardt: Weiter geht’s mit Frau Dr. Bauer und den Wechseljahren. Und da sprechen wir jetzt auch mal über die Risiken für andere Erkrankungen, wenn es diese hormonelle Umstellung gibt während der Wechseljahre. Wofür ist das Risiko dann erhöht?

Dr. Katharina Bauer: Also, das ist eine sehr, sehr wichtige Frage, weil es ja gerade für uns Menschen darum geht, dass wir gesund alt werden wollen. Das ist das eine und wir wollen gerne ein hohes Lebensalter erreichen und wollen gesund und aktiv und kräftig bleiben. Und es ist eben leider so, dass in den Wechseljahren durch das Einstellen der Östrogen- und Progesteronproduktion auch andere Begleiterkrankungen entstehen können. Also z. B. Knochendichteverlust.

Unsere Knochendichte ist zum großen Teil auch mit abhängig von einem guten Östrogenspiegel. Und es passiert eben, wenn dieser Mangel nicht ausgeglichen wird – kommen dann noch mal ganz kurz zur Hormonersatztherapie – dass dann einfach schon sehr frühzeitig auch Knochendichteschwund, Osteoporose, man spricht erstmal von einem Schwund. Osteopenie ist die Zwischenform aus der dann die Osteoporose entstehen kann. Das ist der eine wichtige Aspekt.

Der zweite Aspekt ist der Leberstoffwechsel. Auch für Allgemeinerkrankungen steigt das Risiko. Es steigt das Risiko für Arteriosklerose, also Verkalkung von Blutgefäßen, Bluthochdruck, Herzinfarkte, Schlaganfälle gibt es eben bei uns Frauen genauso oft wie bei Männern auch die Infarkte. Das wird auch oft unterschätzt, das wird ja oft mehr der männlichen Population zugeschrieben, ist gar nicht so. Frauen haben auch sehr oft Herzinfarkte.

Also, man sollte – und da schlage ich noch mal den Bogen zur Hormonersatztherapie – für eine gewisse Zeit, und sei es nur für vier/fünf Jahre, einen hormonellen Ersatz betreiben. Um einfach diese Alterungsprozesse auch etwas weiter nach hinten hinauszuschieben. Und man weiß auch mittlerweile durch Studien, dass keinerlei Krebserhöhungsrisiko besteht, wenn man für 4 bis 5 Jahre ein hormonelles Ersatzpräparat nimmt, ein bioidentisches z. B.

Mario D. Richardt: Weil es eben auch zeitlich begrenzt ist?!

Dr. Katharina Bauer: Weil es zeitlich begrenzt ist. Und man hat gute Studien gemacht und auch gute Nachuntersuchung und sagt aber auch, dass eine z. B. eine Hormonersatztherapie bis ins hohe Lebensalter nicht notwendig ist. Also, ich sage jetzt mal vielleicht 5 Jahre in der Wechseljahreszeit, vielleicht bis 60. Und dann muss man es natürlich vom Körper von der körperlichen Befindlichkeit abhängig machen.

Mario D. Richardt: Aber verstehe ich das richtig, dass man gerade während der Wechseljahre den besonderen Fokus als Frau darauf legen sollte, dass man sich gesund ernährt und dass man sich viel bewegt?

Dr. Katharina Bauer: Unbedingt, unbedingt. Also, man weiß, dass z. B. Sport, vor allem auch sogar Kraftsport, beim Muskelansatz an allen Knochen, die Osteoporose verhindern, verringern und verhindern kann. Sportliche Betätigung, gesunde Ernährung, da sprechen wir wie immer, das wissen wir, von der Mediterranernährung. Dass wir eben viel Pflanzenstoffe essen, viel Gemüse, viel Obst, wenig Fleisch, vor allem wenig rotes Fleisch. Also, das ist schon sehr, sehr wichtig. Cholesterinarm. Also diese Dinge sind nicht nur in jungen Jahren wichtig, sondern unbedingt eben auch in dieser Wechseljahreszeit.

Alternativen zur Hormonersatztherapie (17:14)

Mario D. Richardt: Welche Möglichkeiten gibt es denn neben der Hormontherapie, um das Ganze vielleicht noch zu unterstützen?

Dr. Katharina Bauer: Es gibt natürlich auch viele andere Wege, sich über diese beschwerliche Zeit hinwegzubringen. Also z. B. auch mit der Einnahme von pflanzlichen Medikamenten, da gibt es eine Fülle, natürlich von der Pharmaindustrie, die hergestellt werden. Und die auch wirklich teilweise einen guten Job machen, sage ich mal. Die Medikamente, Traubensilberkerze, Sojaprodukte, Cimicifuga, da wird man auch in der Apotheke sehr gut beraten, wenn man sich da Hilfe sucht.

Und all diese Stoffe, das sind Pflanzenstoffe, sind natürlich vollkommen unschädlich, was vielleicht die allgemeine Körperlichkeit anbelangt. Also, man muss dann gar keine Ängste vor irgendwelchen Krebsinzidenzen haben und die können auch gut helfen. Dazu gibt es Hormon-Yoga, es gibt viele Heilpraktiker, die sich mit dem Thema auseinandersetzen und Patienten sehr gut beraten und behandeln. Also, man sollte auf jeden Fall alternative Wege auch beschreiten. Da findet eigentlich jeder auch so seinen Weg in dieser Phase.

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Wechseljahre

Positive Seiten der Wechseljahre (18:10)

Mario D. Richardt: Gibt es denn positive Aspekte während der Wechseljahre? Gibt es was, was sich zum Besseren ändert?

Dr. Katharina Bauer: Natürlich, natürlich. Das ist ein wichtiger Punkt. Also, was positiv ist, man hat keine Periode, keine Regelblutung mehr, sage ich immer. Und das ist wunderbar auch für jede Frau, gerade vielleicht auch für die Frauen, die in der geschlechtsreifen Zeit sehr viel schmerzhafte Regelblutungen hatten, Menstruation, sehr viel Blutverlust haben.

Man verliert z. B. bei einer normalen Regelblutung 400 ml, also wie zwei große Kaffeebecher. Das ist richtig viel Blut, was man verliert, was erst wieder der Körper ergänzen muss. Man hat niedrigen Hb, niedrigen Sauerstoffträger, man fühlt sich schwach und all das fällt weg. Das heißt, die Regelblutung auch als Stressfaktor für die Frau fällt weg. Sie ist freier in der sportlichen Betätigung, muss nicht mehr an diese regelmäßige Periode denken, die früher sozusagen mitbestimmend waren. Das ist wunderbar.

Und ich sage auch mal eins, man kann auch nicht mehr ungewollt schwanger werden. Das muss man wirklich ansprechen. Zwar häufig das Kinderwunschthema als anderen Aspekt, aber genauso gut kann es ja sein, dass die Patientin sehr lange verhütet hat und immer Sorge hatte, oh, ich will eigentlich nicht mehr schwanger werden mit 40 und jetzt kann ich einfach nicht mehr schwanger werden. Also, das kann auch befreiend sein für die Sexualität, das muss man auch sagen.

Mario D. Richardt: In vielerlei Hinsicht. Gerade wenn, wie sie schon sagten, Frauen Probleme haben mit der Menstruation.

Dr. Katharina Bauer: Ja, absolut. Absolut.

Mario D. Richardt: Wie verändern sich denn häufig das Selbstbild oder die Partnerschaft in dieser Lebensphase?

Dr. Katharina Bauer: Die Partnerschaft muss einige Hürden in dieser Lebensphase auch überwinden. Sehr, sehr gut ist es für die Frau, wenn sie einen guten Partner sozusagen dazu hat. Aber ich muss jetzt spaßeshalber mal sagen, die Männer haben auch ihre Wechseljahre und das ist immer so angenehm, wenn das Paar jetzt ungefähr gleich alt ist, erleben die Männer manchmal auch in dieser Zeit diese Schlafstörung und auch diese hormonellen Veränderungen. Also, es gibt auch diese Andropause, also die Menopause, auch die Andropause, also die männlichen Wechseljahre. Und manchmal gehen beide durch diese Zeit und müssen versuchen da viel zu sprechen und sozusagen auch diese Phase gut gemeinsam zu überstehen.

Mario D. Richardt: Aber jetzt werde ich natürlich hellhörig. Bringt das denn bei den Männern ähnliche Symptome?

Dr. Katharina Bauer: Interessanterweise schon. Also Schlafstörungen, ich kann es aus eigener Kenntnis berichten, das gibt es wirklich auch beim Mann und auch ein bisschen Veränderung der Körperlichkeit. Das ist auch beim Mann ganz normal, wenn z. B. die Testosteronproduktion etwas weniger wird. Dass dann der Körperbau, der Fettansatz etwas anders wird und auch die Männer manchmal ein bisschen ihr Problem damit haben, dass sich das verändert. Und ich sage aber es ist vollkommen normal, jeder Mensch geht durch diese Zeit. So ist unser Leben nun mal auch gestreckt.

Mario D. Richardt: Dann zurück zu den Frauen oder wir bleiben mal bei der Familie, ne? Wie kann denn der Mann oder wie kann die Familie die Frau während dieser Wechseljahrphase unterstützen?

Dr. Katharina Bauer: Einfühlsam sein, sich auch mal darauf einlassen. Man hat ja manchmal auch Stimmungsschwankung. Das kann vom Juchzen, vom Hochtraben bis ganz tieftraurigem Gefühl stattfinden. Dass man einfach da unterstützt wird und dass auch nicht immer alles auf die Goldwaage gelegt wird. Und dass man zusammen sich schöne Aktivitäten sucht, die einem Freude machen, ne, dass man da eben auch auf sich selbst achtet und die Familie sich Mühe gibt sozusagen damit zu helfen.

Mario D. Richardt: Aber wenn Sie das so sagen, dann klingt das auch so ein bisschen wie Pubertät, ne, dass man da quasi ein zweites Mal durchgeht.

Dr. Katharina Bauer: Richtig, richtig. Genau, genau, das ist richtig. Aber das hat sich ja letztendlich wahrscheinlich die Evolution so ausgedacht, dass erst das eine kommt und später das andere und man muss es wirklich als normal betrachten und auch annehmen. Das ist wichtig.

Mario D. Richardt: Was ist denn vielleicht zum Schluss ihr persönlicher Rat an die Frauen, die gerade mitten in dieser Phase stecken?

Persönlicher Rat der Gynäkologin (21:31)

Dr. Katharina Bauer: Eigentlich kann ich nur sagen: durchhalten. Weil ich bin nun schon ein bisschen älter und es ist immer manchmal ganz gut als Ärztin und als Frau, dass man diese Phasen auch alle selbst durchgemacht hat und auch weiß, dass sie vorbeigehen. Der eine hat mehr oder weniger damit zu tun, das ist richtig, aber ich sprach ja eingangs an, man kann helfen. Man soll es eben auch bei seinem Therapeuten ansprechen und wirklich sich auch Hilfe suchen und soll immer das Positive an jeder Lebensphase sehen. Also das Glas sollte immer halb voll sein, nicht halb leer, so dass man sagt, okay, da bin ich jetzt durch. Und dann beginnt ein neuer Lebensabschnitt und das ist auch vollkommen in Ordnung.

Mario D. Richardt: Und das ist ein Ende in Sicht.

Dr. Katharina Bauer: So ist es. Genau. Ein Ende ist in Sicht. Also Wechseljahre ist wie gesagt nur eine bestimmte Zeit. Jeder übersteht sie und es gibt Hilfe dafür. Das muss man sagen.

Mario D. Richardt: Wunderbare letzte Worte dazu zu diesem Thema. Vielen Dank, Frau Dr. Bauer. Das waren sehr wertvolle Einblicke.

Dr. Katharina Bauer: Sehr gerne.

Mario D. Richardt: Und bei Ihnen bedanke ich mich fürs Zuhören. Die nächste Folge „kernig & gesund“ gibt es in 14 Tagen. Alle Folgen komplett hören Sie auf kernig-und-gesund.de und außerdem dort, wo Sie gute Podcasts finden. Und wenn Ihnen diese Episode gefallen hat, dann abonnieren Sie gerne den Podcast. Und nun alles Gute, bleiben Sie schön gesund. Bis zum nächsten Mal.

Das war „kernig & gesund“ – präsentiert von apodiscounter.

Hier gibt’s was auf die Ohren

In unserem Podcast spricht Moderator Mario D. Richardt mit Experten und Expertinnen über aktuelle Gesundheitsthemen.

Frau trinkt Kaffee