Ein Klingeln, Pfeifen oder Rauschen im Ohr – und das ganz ohne äußere Schallquelle? Was viele nur kurz nach einem lauten Konzert erleben, bleibt bei anderen dauerhaft bestehen: Tinnitus. Doch was genau ist das eigentlich? Wie entsteht er, welche Formen gibt es und was hilft gegen die störenden Geräusche im Kopf? Erfahre alles Wichtige über Ursachen, Symptome, Diagnosemöglichkeiten und moderne Therapien gegen Tinnitus – inklusive hilfreicher Tipps zur Selbsthilfe.
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Was ist ein Tinnitus?
Tinnitus aurium – der Begriff stammt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie Klingeln in den Ohren. Diese Übersetzung trifft auch die Beschwerden, die mit Tinnitus einhergehen, ziemlich genau.
Denn die Betroffenen nehmen häufig ein Klingeln, Rasseln, Rauschen oder Pfeifen wahr, das auf keine Schallquelle zurückzuführen ist. Während bei der klassischen Form das Geräusch nicht von einer Schallquelle ausgelöst wird, gibt es Fälle, in denen die Geräusche sogar von Außenstehenden wahrgenommen werden können – beispielsweise durch den Arzt oder die Ärztin. Dies ist aber nur in den seltensten Fällen gegeben.
Nach Schätzungen der Deutschen Tinnitus-Liga e.V. erlebt etwa jeder vierte Deutsche einmal in seinem Leben eine Form der Erkrankung. In vielen Fällen verschwindet dieser jedoch schnell wieder. Doch manche Ohrgeräusche bleiben über einen längeren Zeitraum wahrnehmbar und sollten umgehend behandelt werden, um die Gefahr eines chronischen Ausmaßes zu mindern.
Welche Arten von Tinnitus gibt es?
Tinnitus lässt sich zunächst unterscheiden in:
- Akuter Tinnitus
- Chronischer Tinnitus
Eine akuter Form liegt nach einem traumatischen Ereignis vor (z. B. nach einer starken Lärmbelastung). Von einer chronischen Variante spricht man, wenn die Ohrgeräusche bereits länger als 3 Monate andauern.
Des Weiteren unterscheidet man die beiden Arten:
- Subjektiver Tinnitus
- Objektiver Tinnitus
Subjektiver Tinnitus
Hierbei wird nach allgemeiner Auffassung verstanden, dass die auftretenden Ohrgeräusche ausschließlich von den Betroffenen wahrgenommen werden, vergleichbar mit einem Phantomschmerz. Dies ist bei mehr als 90 % aller Betroffenen der Fall.
Meist entstehen die Geräusche nicht im Ohr oder in der unmittelbaren Umgebung, sondern lassen sich auf Veränderungen oder Beeinträchtigungen der Nervenzellen zurückführen. Mittels spezieller Praktiken kann das Gehirn trainiert werden, diese Geräusche zu ignorieren.
Objektiver Tinnitus (pulssynchroner Tinnitus)
Hierbei wird nach allgemeiner Auffassung verstanden, dass die auftretenden Ohrgeräusche ausschließlich von den Betroffenen wahrgenommen werden, vergleichbar mit einem Phantomschmerz. Dies trifft auf mehr als 90 % aller Fälle zu.
Zuweilen können diese Geräusche sogar in seltenen Fällen von einer anderen Person – beispielsweise einem Arzt oder einer Ärztin – ebenfalls wahrgenommen werden. In solchen Fällen gilt die Behandlung der verursachenden Störquelle.
Idiopathischer Tinnitus
Der Begriff Idiopathie leitet sich aus dem Griechischen ab. Dabei bedeutet „idios” übersetzt „eigen” und „pathos” steht für „Leben”. Wendet man den Begriff im medizinischen Sinne an, dann bedeutet er, dass die Erforschung der Ursache oder des Auslösers bislang erfolglos blieb.
Bei Hörstürzen kann dies sogar sehr häufig der Fall sein – beispielsweise, wenn er plötzlich und oftmals nur einseitig auftritt.
Was ist der Unterschied zwischen akutem und chronischem Tinnitus?
Bei einem akuten Tinnitus bleiben die Beschwerden bis zu drei Monaten bestehen. Es handelt sich, anders als bei einem Hörsturz, nicht um einen Notfall, sollte aber unter ärztlicher Beratung therapiert werden.
Bleiben die Beschwerden länger als drei Monate bestehen, spricht man von einem chronischen Tinnitus.
Innerhalb dieser beiden Formen kann weiterhin unterschieden werden, ob die Lebensqualität durch die Beschwerden beeinträchtigt wird oder nicht. Findet keine Einschränkung statt, spricht man von einem kompensierten Tinnitus. Ist die Lebensqualität beeinträchtigt – etwa durch Schlafprobleme, Konzentrationsschwierigkeiten oder Arbeitsunfähigkeit – spricht man von einem dekompensierten Tinnitus.
Schweregrade von Tinnitus
Man hat sich für die Bestimmung der Intensität auf vier Ausprägungen verständigen können. Diese sind:
- Grad I – Der leichtgradige Tinnitus belastet Betroffene nicht und löst keinen Druck aus.
- Grad II – Beim mittelgradigen Tinnitus erleben Betroffene keine gravierenden Folgen im Alltag. In Stressphasen wird er aber als Belastung empfunden.
- Grad III – Ab dieser Stufe wird von einem dekompensierten Tinnitus gesprochen. Durch den schwergradigen Tinnitus erfahren Betroffene erhebliche Beeinträchtigungen der Lebensqualität. Es sind bereits Störungen im sozialen, körperlichen und kognitiven Bereich zu erwarten.
- Grad IV – Der sehr schwergradige Tinnitus beeinträchtigt Betroffene derart, dass bereits eine Arbeitsunfähigkeit besteht oder droht und auch im sozialen Bereich mit schweren Folgen zu rechnen ist.
Die Erfassung des Schweregrads wird meist von behandelnden Ärzt:innen und/oder Psycholog:innen in einem vorab strukturierten Gespräch ermittelt. Dennoch bleibt das Ergebnis immer subjektiv, da es nicht messbar ist.
Anhand des Schweregrades kann der behandelnde Arzt bzw. die behandelnde Ärztin nicht nur die weiterführende Therapie genauer bestimmen, sondern auch die psychische Belastung der Betroffenen besser einschätzen.
Entstehung von Tinnitus
Über die Entwicklung der Krankheit liegen vielfältige Erkenntnisse vor. Die Fachleute gehen davon aus, dass ein akuter Tinnitus im Innenohr, Hörnerv oder Gehirn entsteht.
Ebenfalls können Lärm oder Medikamente die Funktionen beeinträchtigen. Als weitere Auslöser werden benannt:
- Ohrenpfropfen
- Infektionskrankheiten
- Hörsturz
- Schalltrauma
- Tauchunfälle
- Tumorbildung
Bei einem objektiven Fall sind häufig Durchblutungsstörungen die Ursache. Die Unterscheidung zwischen einem akuten und einem chronischen Tinnitus fällt hingegen leichter. Die Beschwerden vergehen bei einer akuten Variante innerhalb der ersten drei Monate nach Auftreten. Bleiben die Geräuschwahrnehmungen länger bestehen, spricht man von einem chronischen Tinnitus.
Was tun bei plötzlich auftretendem Tinnitus?
Ein spontan auftretendes Summen oder Pfeifen ist kein medizinischer Notfall. Dennoch solltest du zügig eine Arztpraxis aufsuchen, um die möglichen Ursachen von Tinnitus und passende Behandlungen zu besprechen. Je früher die Behandlung beginnt, desto besser sind die Heilungschancen.
Jedoch sind nicht nur medizinische Maßnahmen zu ergreifen. Du kannst selber einiges dazu beitragen, die Beschwerden zu bewältigen und ein Wiederauftreten weitgehend zu vermeiden:
- Stress meiden
- Für ausreichend angenehme Beschäftigungen sorgen, z. B. Spaziergänge, Sport, Hobbies
- Dich mit verhaltenstherapeutischen Maßnahmen ins Gleichgewicht bringen, z. B. durch Yoga oder autogenes Training
- Achten auf deine Ernährung – gesunde Kost und viel Flüssigkeit sind die Basis eines gesunden Körpers
- Meide laute Geräusche
Was sind die Symptome eines Tinnitus?
Pfeifen, Rauschen, Rasseln, Klingeln – dies sind vermutlich die bekanntesten Tinnitus-Symptome. Häufig werden die Ohrgeräusche auch als Knacken, Pochen, Piepen, Brummen, Knistern oder Hämmern benannt.
Zu den weiteren Symptomen zählen:
- Rauschen im Kopf
- Schwindel
- Kopfschmerzen
Häufig gesellen sich weitere Symptome hinzu. Diese können in der Folge aus einem Tinnitus resultieren, diesem aber auch vorausgehen. Tinnitus und die folgenden Symptome können in Wechselwirkung zueinander stehen:
- Konzentrationsschwäche
- Müdigkeit
- Schlafmangel
- Angstzustände
- Depressionen
- Zähneknirschen
- Ohrenschmerzen
Was sind die Ursachen von Tinnitus?
Die Ursachen von Tinnitus sind vielfältig. Zuweilen kann ein konkreter Auslöser jedoch nicht festgemacht werden.
Lärm ist einer der häufigsten Verursacher von akutem Varianten. Somit ist beispielsweise sein Auftreten nach dem Besuch eines Konzerts keine Seltenheit. Allerdings verschwindet diese Form in den meisten Fällen auch rasch wieder, da die Störquelle nur einmalig war. Um dies zu vermeiden, solltest du deine Ohren vor starkem Lärm schützen, beispielsweise mit geeigneten Ohrstöpseln.
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Einen großen Verursacher sehen Fachleute aktuell in den modernen In-Ear-Kopfhörern. Hier treffen die Töne unmittelbar auf das Trommelfell und vor allem auf die im Innenohr sitzenden Haarsinneszellen, die die akustisch-mechanischen Reize in Nervenaktivität umwandeln.
Ebenso werden verantwortlich für das Auslösen eines Tinnitus folgende Ursachen benannt:
- Stress
- Verspannungen
- Mangelerscheinungen
- Bestimmte Medikamente
- Depressionen und psychische Verstimmungen
- Krankheiten, insbesondere im Hals-Nasen-Ohrenbereich
- Entzündungen und Eingriffe am Kiefer sowie im Rachenraum
Auch Erkrankungen und körperliche Belastungen können einen Tinnitus auslösen. Häufig sind Erkrankungen des Innenohrs Auslöser. Da kann ein Medikament zur Anwendung bei Ohrenschmerzen helfen.
Weitere mögliche Auslöser:
- Erkrankungen des Innenohrs
- Hirntumore
- Bluthochdruck oder zu niedriger Blutdruck
- Alkohol- und Drogenmissbrauch
- Blutarmut
- Multiple Sklerose
Diese Faktoren können den Tinnitus auslösen
Ebenso werden verantwortlich für das Auslösen folgende Ursachen benannt:
- Stress
- Verspannungen
- Mangelerscheinungen
- Bestimmte Medikamente
- Depressionen und psychische Verstimmungen
- Krankheiten, insbesondere im Hals-Nasen-Ohrenbereich
- Entzündungen und Eingriffe am Kiefer sowie im Rachenraum
Wie erfolgt die Diagnose bei Tinnitus?
Um eine zuverlässige Diagnose zu treffen und eine entsprechende Therapie einzuleiten, solltest du bei Ohrgeräuschen zunächst rasch einen Facharzt bzw. eine Fachärztin für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde (HNO) aufsuchen. Diese findest du entweder in stationären Praxen oder in der HNO-Ambulanz eines Krankenhauses.
Antworten auf diese Fragen können bei der Diagnosestellung helfen:
- Wann traten die Geräusche das erste Mal auf?
- Gab es einen Auslöser – beispielsweis eine laute Signalquelle oder ähnliches?
- In welchen Situationen machen sich die Geräusche bemerkbar?
- Leidest du das erste Mal unter einem Tinnitus?
- Kannst du, außer den Geräuschen, weitere Symptome an dir feststellen, die mit dem Tinnitus zusammenhängen könnten – Schwindel, Kopfweh oder Nackenschmerzen?
Erzähle in dem Gespräch auch von möglichen Vorerkrankungen, Medikamenten oder psychischen außergewöhnlichen Belastungen – so entsteht ein Gesamtbild und mögliche Ursachen können ausgeschlossen oder in engeren Betracht gezogen werden.
Zudem werden Gehörgang und Innenohr untersucht sowie der Naseninnenraum und Rachen betrachten. Außerdem wird dein Hörvermögen analysiert. Unter Umständen können spezielle Messverfahren angewandt werden, mit denen aktive Aussendungen des Ohrs entgegen der Richtung der Schallwahrnehmung ausgemacht werden können.
Ablauf der Untersuchung
Tatsache ist: Man kann die meisten Formen der Ohrgeräusche nicht nachweisen. Nur wenige Arten sind messbar, beispielsweise, wenn sie durch Blutfluss oder den Takt des Herzens ausgelöst werden. Aber der Großteil der Tinnitus sind subjektiv. Das bedeutet, dass nur Betroffene die Geräusch wahrnehmen.

Eine Diagnose dieser Arten erfolgt meist nach einer systematischen ärztlichen Befragung und anschließenden Hörtests. Deine Antworten helfen dabei, zu ergründen, ob es im Vorfeld schon mal Ohrerkrankungen, Knalltraumata oder andere Lärmunfälle gab.
Außerdem kann dein Stresslevel und andere relevante Faktoren, die als Auslöser zählen können, mit den abgefragten Informationen besser eingeschätzt werden.
Im Anschluss werden mittels Ohrmikroskopie und Ohrenspiegel Untersuchungen folgen, um eine mögliche Ohrerkrankung auszumachen oder einen Ohrenschmalzpfropfen zu erkennen. In der Regel werden dann noch Hörtests gemacht, um einen Hörverlust auszuschließen.
Bei diesen Hörtests gibt es zwei spezielle Verfahren, die eine sichere Diagnose zulassen:
- Otoakustische Emissionen (OAE)
- BERA Hirnstammaudiometrie
Bei dem OAE-Test wird die Funktion des Innenohrs überprüft. Otoakustische Emissionen sind die Geräusche, die entstehen, wenn sich die Haarzellen im Innenohr zusammenziehen. Dafür werden hochempfindliche Mess-Mikrofone in den äußeren Gehörgang gesetzt.
Bei der BERA Hirnstammaudiometrie werden die Nervenreaktionen im Gehirn untersucht, die für die Verarbeitung von Hörreizen zuständig sind. Das geschieht mittels drei bis vier Elektroden, die am Kopf angebracht werden.
Was ist die Tinnitusfrequenz?
In einigen Fällen kann es bei der Diagnose auch zur Analyse der Frequenz und der Intensität kommen. Dabei werden den Betroffenen Töne vorgespielt, die sie mit den Geräuschen vergleichen, die zu den wahrgenommenen Symptomen gehören.
In einem weiteren Schritt können über diese Analyse Töne produziert werden, mit denen sich die Geräusche des Tinnitus überlagern lassen.
Therapie – Wie erfolgt die Behandlung eines Tinnitus?
Ist ein Tinnitus diagnostiziert, kann die Behandlung aus mehreren Bausteinen bestehen:
- Medikamentös – mit Kortison, Antibiotika oder durchblutungsfördernden Arzneimitteln
- Entspannungstechniken – beispielsweise Progressive Muskelentspannung, Yoga oder Tai-Chi
- Alternative Heilmethoden – z. B. Akupunktur oder Musik
- Bewältigungstraining
Ist Tinnitus heilbar?
Aufgrund der verschiedenen Arten, Ursachen und Symptomatiken unterscheiden sich auch die Heilungswahrscheinlichkeiten sehr stark. Eine eindeutige und allgemeingültige Aussage kann somit nicht getroffen werden.
Die Heilungschancen sind am besten, wenn ein akuter Fall auftritt und mit der Behandlung umgehend begonnen wird. Je länger Betroffene abwarten, desto schwieriger gestaltet sich eine möglichst vollständige Heilung.
Welche Medikamente können gegen Tinnitus helfen?
Der Einsatz von Medikamenten bei Tinnitus hängt sehr stark davon ab, was genau den Tinnitus ausgelöst hat. Bei alters- und durchblutungsbedingtem Beschwerden werden gezielt durchblutungsfördernde Medikamente verabreicht.
Des Weiteren können Abhilfe schaffen:
- Magnesiumpräparate
- Vitaminpräparate
- Glukokortikoide
- Kortison
- Antibiotika
- Hyperbare Sauerstofftherapie
- Rheologika zur Förderung der Durchblutung
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Was ist eine Tinnitus-Klinik?
In einer Tinnitus-Klinik haben sich die Fachärzte und Fachärztinnen auf die Behandlung und Therapie von Ohrgeräuschen spezialisiert und folgen meist einem ganzheitlichen Ansatz.
Sind konkrete Ursachen auszumachen, wird mit entsprechenden weiteren Fachbereichen eine enge Zusammenarbeit angestrebt.
Vorteile einer Fachklinik für Tinnitus
- Psychosomatische und verhaltenstherapeutische Behandlung
- Therapien mit Musik, Bewegung, Sport oder Hörtechniken (Audio)
- Therapien, die sich auf Halswirbel und Rückgrat konzentrieren
- Einarbeitung in Geräte, die von den störenden Ohrgeräuschen ablenken oder den Tinnitus maskieren
Ebenso finden verschiedene Beratungsangebote für Bewegung, Ernährung, Entspannung und weitere Möglichkeiten einer Lebensführung statt, die der Erkrankung entgegenarbeiten sollen. Der Aufenthalt in einer Tinnitus-Klinik kann stationär oder ambulant erfolgen. Diese Entscheidung wird mit den behandelnden Ärzt:innen getroffen. Inwieweit eine Behandlung von deiner Krankenkasse übernommen wird, sollte im Vorfeld geklärt werden.
Was sind Tinnitus Noiser und Masker?
Bei einem Noiser bzw. Masker handelt es sich um einen Rauschgenerator, der wie ein Hörgerät bei Tinnitus hinter dem Ohr angebracht wird. Es gab früher auch Noiser bzw. Masker, die sich direkt im äußeren Gehörgang befanden. Sie wurden aber häufig von den Betroffenen als störend empfunden, weil sie das Hörvermögen beeinträchtigten, die Geräusche verstärkten oder gar als unangenehmer als der eigentliche Tinnitus wahrgenommen wurden.
Der Rauschgenerator wird meist hinter beiden Ohren angebracht, auch dann, wenn sich der Tinnitus nur auf einer Seite bemerkbar macht. Bei einer Therapie mit einem dieser sogenannten Noiser bzw. Masker soll die eigene Wahrnehmung verändert werden. Wie die Bezeichnungen bereits vermuten lassen, wird ein Geräusch (noise) verursacht, das den Ton verdecken (maskieren) soll.
Der Tongenerator erzeugt meist ein sogenanntes weißes Rauschen, das alle Frequenzen umfasst. Die Lautstärke ist dabei so gering, dass das Gehirn sie zwar als ein Hörangebot aufnimmt, zugleich aber wird das Erkennen erschwert.
Wie hoch sind die Kosten für einen Tinnitus Noiser?
Die Kosten für einen Tinnitus Noiser richten sich sehr nach Hersteller und Ausstattung. So gibt es auch Geräte, die zugleich auch als Hörgeräte fungieren. In jedem Fall solltest du dich im Fachhandel beraten lassen, welcher Noiser für deine Zwecke der geeignetste ist.
FAQ – Häufige Fragen zu Tinnitus
Kann man Geräusche im Ohr haben, obwohl es sich um keinen Tinnitus handelt?
Ja. Nicht jeder, der ein Ohrgeräusch wahrnimmt, leidet auch an einem Tinnitus. Manchmal kann der Auslöser für solche Geräusche ganz banal sein. So können Pfropfen im Ohr oder eine Erkrankung, beispielsweise eine Mittelohrentzündung, Ohrgeräusche hervorrufen.
Wie klingt ein Tinnitus?
Das Tinnitusgeräusch ist für jeden Betroffenen individuell wahrnehmbar und kann sich demnach auch verschieden äußern. Grundsätzlich beschreiben Menschen mit Tinnitus den Klang zwischen Piepen bis Rauschen. Auch Brummen, Knistern, Pfeifen und Summen wird in diesem Zusammenhang als Tinnituston erwähnt. Einige nehmen das Geräusch nur wahr, wenn sie sich darauf konzentrieren oder das Umfeld besonders ruhig ist, andere haben den Tinnitusklang ständig im Ohr.
Um sich ein Bild davon zu machen, wie sich ein Tinnitus anhören kann, haben wir nachfolgend einige Vergleiche aufgelistet:
- Der Ton, der früher das Testbild beim Fernseher begleitete
- Das Klingeln eines schrillen Telefons oder Weckers
- Wie das Pfeifen einer nicht entlüfteten Heizung
- Vergleichbar mit starkem Wind oder Sturm
- Ähnlich einem rauschenden Bach oder einem Wasserfall
- Vergleichbar mit dem Summen von Insekten
Sollte man bei einem Tinnitus auf Alkohol verzichten?
Es soll tatsächlich Menschen geben, die behaupten, dass ihr Tinnitus nach dem Verzehr von Alkohol weniger stark sei, andere hingegen stellen eine Verstärkung der Geräuschwahrnehmung fest.
Wissenschaftliche Belege gibt es weder für die eine, noch für die andere Behauptung. Bekanntlich kann Alkohol zur Entspannung beitragen und anregend wirken – mögliche Voraussetzung dafür, dass Betroffene die Ohrgeräusche weniger stark wahrnehmen. Alkohol kann aber auch die Wahrnehmung schärfen und sich auf das zentrale Nervensystem auswirken, sodass Betroffene das Ohrgeräusch noch stärker als zuvor wahrnehmen.
Daher möchten wir an dieser Stelle weder empfehlen, Alkohol als Mittel gegen Tinnitus einzusetzen, noch sprechen wir uns für einen absoluten Verzicht aus. Wenn du Alkohol trinkst, dann solltest du dies mit Bedacht und in geringen Mengen tun.
Erhält man eine Krankschreibung bei einem Tinnitus?
Grundsätzlich ist es möglich, bei Tinnitus eine Krankschreibung zu erhalten.
Voraussetzung dafür ist allerdings, die Ursache des Tinnitus herauszufinden und mögliche therapeutische Maßnahmen einzuleiten, um schnell und vollständig gesund zu werden. In manchen Fällen erfordert dies dann eine vorübergehende Krankschreibung.
Zunächst ist zu klären, ob die Arbeitsumgebung Verursacher des Tinnitus ist oder sich bei dessen Behandlung als nachteilig auswirken kann. Menschen mit Tinnitus sollten Lärm meiden und möglichst nicht in Stressphasen geraten. Auch können Berufe, in denen der Gleichgewichtssinn gefordert wird, eventuell nicht mehr oder eine Zeit lang nicht ausgeübt werden – beispielsweise im Dachdeckerhandwerk oder Gerüstbau.
Ebenso können Betroffene von Berufen freigestellt werden, die in Bereichen der Personenbeförderung arbeiten – Pilot:innen, Busfahrer:innen, Kapitän:innen. Ein Tinnitus ist allerdings keine Krankheit, sondern ein Symptom. Und manchmal kann es auch nachteilig sein, sich mit einem Tinnitus krankschreiben zu lassen. So hast du dann nämlich auch die Zeit, dich den ganzen Tag auf das Geräusch zu konzentrieren und es kann sich daraus ein Kreislauf des Nicht-Abschalten-Könnens entwickeln. Besprich die Notwendigkeit und die resultierenden Vor- und Nachteile individuell mit deinem Arzt oder deiner Ärztin.
Quellen
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- G. Hesse: Tinnitus, 2016, ISBN 9783131478023
- B. Kröner-Herwig, B. Jäger, G. Goebel: Tinnitus kognitiv-verhaltenstherapeutisches Behandlungsmanual, 2010, ISBN 9783621276894
- W. Delb: Tinnitus ein Manual zur Tinnitus-Retrainingtherapie, 2002, ISBN 9783801713799
- K. M. Hocker: Tinnitus Ursachen und Behandlung von Ohrgeräuschen, 1997, ISBN 9783406418686
- J. J. Eggermont, F. G. Zeng, A. N. Popper, R. R. Fay: Tinnitus, 2012, ISBN 9781489998330
- C. A. Bauer: Tinnitus, in „New England Journal of Medicine“, 378, 2018, ISSN 1533-4406
- D. D. Walker, A. S. Cifu, M. B. Gluth: Tinnitus, in „JAMA“, 315, 2016, ISSN 0098-7484
- G. Göbel: Tinnitus und Hyperakusis, 2003, ISBN 9783801711177
- R. S. Hallam, R. F. C. Dees, G. Göbel: Leben mit Tinnitus wie Ohrgeräusche erträglicher werden, 1994, ISBN 9783861282143
